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Wo der Tag nie endet: Schiffsreise entlang der Küste Norwegens | Collector
Wo der Tag nie endet: Schiffsreise entlang der Küste Norwegens
KURIER

Wo der Tag nie endet: Schiffsreise entlang der Küste Norwegens

Schon nähert sich das Schiff dem Hafen von Bergen , doch ehe die Passagiere im Postschiff-Terminal an Bord gehen dürfen, bleibt noch Zeit für einen Spaziergang über den quirligen Marktplatz Torget sowie durch das Hanseviertel Brygge . Angesichts der bunten Holzfassaden scheint die Zeit hier seit der Stadtgründung vor siebenhundert Jahren stehen geblieben zu sein, allerdings handelt es sich durchwegs um Rekonstruktionen – im Original waren die Bauten immer wieder Großbränden zum Opfer gefallen. Die Havila Pollux wurde schon mit dem Gepäck der Reisenden beladen, nun kann es losgehen. Die Norweger nutzen Postschiffe wie eine Fähre, steigen zu und nach kurzer Fahrt wieder aus, die Gäste aus anderen Ländern quartieren sich hingegen für längere Zeit in einer der komfortablen Kabinen an Bord ein. Sie sind es auch, die beim Auslaufen am obersten Deck stehen und das Panorama genießen. Im Restaurant hat man dank der raumhohen Fenster ebenfalls einen famosen Ausblick. Während das dreigängige Menü serviert wird, gleitet die Küste mit ihren flachen Wiesen und dahinter ansteigenden Berghängen vorbei, die rot beplankten Häuschen am Ufer leuchten in der Abendsonne. Erster Höhepunkt der Reise ist der fünfzehn Kilometer lange Geirangerfjord . Grasland und Nadelwald reichen bis ans Ufer, das Wasser ist oft Hunderte Meter tief, an schroffen Berghängen kleben einzelne Bauernhöfe. Hier enthüllte Königin Sonja 2006 die Plakette der UNESCO, die dem Geirangerfjord den Status eines Welterbes verlieh. Um in dem engen Fjord Luftverschmutzung durch die Kreuzfahrt-Industrie zu verhindern, dürfen hier ab 2032 nur noch Schiffe fahren, die emissionsfrei betrieben werden, erklärt Fjordranger Nicole. Schiffe der Havila-Flotte sind schon jetzt ausschließlich mit Batteriebetrieb im Fjord unterwegs. Alle Passagiere befinden sich wieder oben an Deck, um den Wasserfall Friaren („Der Freier“) zu bestaunen, der aus einer Höhe von dreihundert Metern in den Fjord stürzt. Gegenüber, am anderen Ufer der engen Schlucht, fällt das Wasser über sieben steile Rinnen, genannt die „Sieben Schwestern“, herab. Nächtlicher Sonnenschein Am Abend, als die Pollux wieder auf das offene Meer fährt, baut sich eine schmale, rötlich schimmernde Wolkenbank am Horizont auf, die um Mitternacht von der fahlen Sonne durchbrochen wird. Einsam ragt ein mächtiger Leuchtturm zwischen verstreuten Inselchen empor, auf der anderen Seite türmen sich schwarzgraue Gebirge, deren Kämme mit Schnee bedeckt und von Gletscherzungen überzogen sind. Auf dem Weg zur Inselgruppe der Lofoten hält das sommerliche Schönwetter an, keine Wolke ist am Himmel zu sehen und das Meer nur sanft gekräuselt. Schon erheben sich felsige Bergketten wie ein gigantisches Bollwerk aus der arktischen See. Beim Näherkommen sind einzelne, oft durch Brücken verbundene Inseln zu erkennen. Entlang der Einfahrt im Hafenbecken der Inselhauptstadt Solvær stehen Stockfischgerüste. Bis zum Frühjahr wird hier der Kabeljau getrocknet, den es in den Gewässern um die Lofoten immer noch reichlich gibt. Während der Weiterfahrt zwischen den Inseln bestaunen viele Gäste an Deck die Mischung aus alpiner Bergformation und Meer. Nach der Passage einer Inselbrücke öffnet sich die See und gibt den Blick auf die tief stehende Mitternachtssonne frei. Futuristische Kirche In Tromsø reihen sich alte Holzhäuser in Ockerfarben aneinander, die Zeile zieht sich bis hinunter zum Kai. Das Wasser ist spiegelglatt und glasklar, in mehreren Metern Tiefe lassen sich noch Fische beobachten. Über die einen Kilometer lange Tromsøbrua quert man den Sund und steht dann vor der futuristischen Eismeerkathedrale mit ihren spitz nach oben zulaufenden weißen Mauern. Die hell glänzenden Schneefelder an den Berghängen dahinter wirken zum Greifen nah. Als nördlichster Hafen wird Honningsvåg angelaufen. Ein Rudel von Rentieren, das sich seinen Weg durch die karge Tundra bahnt, quert die zum Nordkap führende Straße. Nach rund fünfunddreißig Kilometern ist das Ziel erreicht – eine steile Felsklippe dreihundert Meter über dem tosenden Meer plus riesige Weltkugel – und man stellt sich für das obligate Selfie an. Auf den letzten Meilen der Schiffsreise läuft das Erlebte gedanklich noch einmal im Zeitraffer ab und man ist geneigt, sich jenen anzuschließen, die eine Fahrt mit dem Postschiff für die schönste Seereise der Welt halten. Axel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele - im Fokus steht immer ein Land, eine Region oder eine Stadt.

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