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Alzheimer-Risiko: Können Eier das Gehirn schützen?
KURIER

Alzheimer-Risiko: Können Eier das Gehirn schützen?

Eier hatten ernährungspolitisch schon bessere und schlechtere Zeiten. Einmal galten sie als Kraftpaket, dann wieder als Cholesterin-Schreck . Nun kommt ausgerechnet aus der Alzheimer -Forschung ein neuer Befund: In einer großen US-Langzeitstudie war regelmäßiger Eierkonsum mit einem niedrigeren Risiko verbunden, später an Alzheimer zu erkranken. Untersucht wurden Daten von 39.498 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Adventist Health Study-2. Die Personen waren mindestens 65 Jahre alt, ihre Ernährung wurde zu Beginn der Studie über einen ausführlichen Fragebogen erhoben. Danach wurden die Daten über Medicare-Versicherungsunterlagen mit Alzheimer-Diagnosen verknüpft. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 15,3 Jahre. In dieser Zeit entwickelten 2858 Personen Alzheimer. Ein bis drei Eiermahlzeiten pro Monat Das zentrale Ergebnis: Menschen, die Eier aßen, hatten ein geringeres Alzheimer-Risiko als jene, die nie oder nur sehr selten Eier konsumierten. Schon ein bis drei Eiermahlzeiten pro Monat waren mit einem um etwa 17 Prozent niedrigeren Risiko verbunden. Bei einmal pro Woche lag die Risikominderung ebenfalls bei rund 17 Prozent, bei zwei- bis viermal pro Woche bei etwa 20 Prozent. Wer fünfmal pro Woche oder öfter Eier aß, hatte in der Analyse ein um 27 Prozent niedrigeres Risiko. Wichtig ist: Die Forschenden rechneten zahlreiche andere Faktoren heraus – darunter Alter, Geschlecht, Bildung, BMI, Bewegung , Schlaf, Rauchen , Alkoholkonsum, andere Lebensmittelgruppen und Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronische Nierenerkrankungen. Der Zusammenhang blieb bestehen. Warum ausgerechnet Eier? Die Autorinnen und Autoren verweisen auf mehrere Nährstoffe, die für das Gehirn relevant sein könnten. Eier enthalten unter anderem Cholin , das für Gedächtnisprozesse und Nervenzellkommunikation wichtig ist, außerdem Vitamin B12 , hochwertige Proteine sowie Lutein und Zeaxanthin. Auch DHA, eine Omega-3-Fettsäure , wird in der Studie als möglicher Baustein genannt. Diese Stoffe könnten theoretisch zur Widerstandskraft des Gehirns beitragen. Besonders interessant: In einer zusätzlichen Analyse zeigte sich, dass Menschen mit gar keinem Eierkonsum im Vergleich zu einer kleinen Menge von etwa zehn Gramm Ei pro Tag – grob: rund ein Ei pro Woche – ein erhöhtes Alzheimer-Risiko hatten. Der deutlichste Unterschied lag also nicht zwischen „ein bisschen“ und „sehr viel“, sondern zwischen „gar nicht“ und „zumindest etwas“. Trotzdem sollte man aus der Studie keine simple Botschaft konstruieren,  nach dem Motto: „Iss Eier, verhindere Alzheimer.“ Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann Zusammenhänge zeigen, aber nicht beweisen, dass Eier selbst das Alzheimer-Risiko senken. Ernährung ist nur ein Puzzleteil eines großen Ganzen, Bewegung, soziales Umfeld, medizinische Versorgung, Lebensstil und weitere Faktoren spielen mit. Dazu kommt: Die untersuchte Gruppe bestand aus Siebenten-Tags-Adventisten ( eine weltweit verbreitete protestantische Freikirche, Anm.), also einer insgesamt gesundheitsbewussten Bevölkerung mit relativ wenig Rauchen und Alkohol. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht eins zu eins auf alle Menschen übertragen. Außerdem wurde die Ernährung nur zu Beginn erhoben; spätere Veränderungen konnten nur begrenzt berücksichtigt werden. Die vorsichtige Schlussfolgerung lautet daher: Moderater Eierkonsum könnte Teil einer gehirnfreundlichen Ernährung sein. Nicht als Wundermittel, nicht als Ersatz für Bewegung, Blutdruckkontrolle, guten Schlaf oder insgesamt ausgewogene Ernährung. Aber auch nicht automatisch als Problem. Zumindest in Sachen Gehirn scheint das Frühstücksei besser dazustehen, als sein alter Cholesterin-Ruf vermuten lässt.

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