KURIER
Von Gernot Heigl Fünf Menschen hat Hauptbrandinspektor Jörg Stipsits am 30. April aus einem verrauchten Gasthaus gerettet, darunter einen zehnjährigen Buben. Kurz nach dem Einsatz ging der Stinatzer Feuerwehrmann vor Erschöpfung in die Knie. Sanitäter versorgten den 35-Jährigen noch am Brandort; in der Klinik Oberwart wurde er im Anschluss an den Einsatz drei Tage lang behandelt. Im Gespräch mit dem KURIER schildert Stipsits, wie es zu der Rettungsaktion in jenem Stinatzer Gasthaus kam, in dem das Totenmahl für die Großmutter von Thomas Stipsits stattgefunden hatte. Mit dem Kabarettisten ist der Feuerwehrmann trotz der Namensgleichheit nicht verwandt. Der Ausbruch des Feuers „Beim Schnitzelmachen gab es laut Personal im Fritteusenbereich eine Stichflamme und eine Verpuffung. Trotz des sofortigen Einsatzes eines Feuerlöschers durch den Feuerwehrkommandanten aus Hackerberg, der unter den anwesenden Trauergästen war, breitete sich der Brand aus und füllte innerhalb kürzester Zeit sämtliche Räume mit dichtem, schwarzem Rauch.“ Sofort wurde Sirenenalarm ausgelöst, zugleich verließen alle anwesenden Personen den Gastraum. Als Einsatzleiter Andre Zsivkovits (27), Zugskommandant der Feuerwehr Stinatz, mit dem Rüstlöschfahrzeug beim Gasthaus eintraf, begann er mit seinen Atemschutzkräften die Brandbekämpfung mit Wasser und Schaum. Nach Angaben von Augenzeugen sollte sich zu diesem Zeitpunkt niemand mehr im Gebäude aufhalten. Erst als Hauptbrandinspektor Stipsits mit dem zweiten Fahrzeug eintraf und die Anwesenden nochmals befragte, hieß es plötzlich, im Wohnbereich im ersten Stock könnte sich doch noch eine Frau befinden. Menschen in Gefahr „Horror. Eine komplett neue Situation. Also bin ich mit zwei Kameraden als Atemschutztrupp durch das verrauchte Stiegenhaus hinaufgegangen, habe eine Tür geöffnet und fünf verängstigte Personen gefunden. Unter ihnen war ein panischer, schreiender und weinender Bub“, erzählt Stipsits. „Mein erster Gedanke war: Sch... ich bin im falschen Film. Doch dann habe ich in Bruchteilen von Sekunden entschieden, wie ich mit meinen Kameraden die Menschenrettung durchführe und in welcher Reihenfolge wir die Personen ins Freie bringen.“ Wegen der Einsatzentwicklung wurde parallel Großalarm der Stufe B3 ausgelöst, insgesamt waren sieben Feuerwehren im Einsatz. Stipsits forderte sogenannte Fluchthauben für die Erwachsenen an. Dabei handelt es sich um Schutzhauben mit Sichtfenster und Spezialfilter, die Personen einige Minuten lang vor Rauchgasen schützen. Kameraden reichten sie ihm über eine Leiter durch ein Fenster im ersten Stock. Für das Kind gab es ein Sauerstoffgerät mit Maske. Die geglückte Rettung Dann ging es Schlag auf Schlag. Als letzte Person wurde die Mutter des Seniorwirts, mit 96 Jahren die älteste Frau von Stinatz, mit einem Rettungssessel aus dem Gebäude getragen. Danach, sagt Stipsits, „sind bei mir Druck und Anspannung abgefallen. Bis dahin habe ich funktioniert und getan, was getan werden musste. Gleichzeitig habe ich gespürt, dass etwas nicht stimmt. Mir wurde übel, mein Puls raste und ich bekam Fieber. Ich konnte einfach nicht mehr.“ In der Klinik Oberwart stellten die Ärzte dann eine körperliche und psychische Überlastung fest. „Für die super Betreuung, von der Notaufnahme bis hin zur Station, möchte ich mich bei Ärzten und Personal bedanken“, sagt der Feuerwehrmann, der im September Vater eines Mädchens wird. „Ganz fit bin ich noch nicht, und einige Untersuchungen stehen noch an, aber das wird schon wieder.“ Dass die Menschenrettung und das Löschen des Brandes trotz der Rauchentwicklung – zeitweise war die Sicht gleich null – so rasch gelungen sind, führen Stipsits und Zsivkovits auf Teamarbeit, Ausbildung und Einsatzbereitschaft zurück: „Wir sind alle engagierte und leidenschaftliche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.“
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