KURIER
In der um 7 Uhr einberufenen Sondersitzung des Amstettner Gemeinderates ging es Mittwoch bereits frühmorgens hitzig zur Sache. Bevor eine Resolution an den FPÖ-Landesrat Martin Antauer zur Bereitstellung der von ihm gestrichenen Förderung für das Don Bosco-Jugendheim mehrheitlich verabschiedet wurde, gab es viel Kritik in Richtung Landesregierung, aber auch heftige Wortgefechte zwischen den Stadtpolitikern. Die Sitzung war aufgrund einer Live-Videoübertragung von der Bevölkerung mitzuverfolgen. Eine überschaubare Schar nahm das Angebot an und sah zu, wie die Gemeinderäte um das Jugendheim, das seit 60 Jahren betrieben wird und, wie der KURIER berichtet, wegen der Antauer-Attacke nun vor dem finanziellen Aus steht. Nur Freiheitliche stimmten gegen Resolution Im von Bürgermeister Christian Haberhauer (ÖVP) verlesenen Resolutionstext wird Antauer auf die bisherige wertvolle Arbeit des von den Salesianern geführten Don Bosco-Heims hingewiesen und auch darauf, dass Einsparungen in der Jugendarbeit weit höhere Folgekosten im Sozial-, Gesundheits- und Justizbereich nach sich ziehen würden. Mit der Unterstützung zweier weiterer wichtiger Jugendeinrichtungen trage die Stadt Amstetten ohnehin schon die Hauptlast in diesem Bereich, heißt es weiters in dem Schreiben, in dem Antauer aufgefordert wird, den Förderstopp zurückzunehmen. Für die Resolution stimmten am Ende ÖVP und SPÖ sowie Grüne und Neos, die FPÖ war dagegen. In der Debatte davor kritisierte ÖVP-Fraktionschef Manuel Scherscher in Richtung FPÖ-Fraktion die „ideologischen Scharfmacher aus St. Pölten “. Aus dem Zickzack-Kurs des Herrn Antauer sei er nicht schlau geworden, so Scherscher. Zuerst kam viel Lob für die Arbeit im Don Bosco-Heim und der Verweis auf den Spardruck als Grund für den Förderstopp. Dann aber kritisierte Antauer Events zur LGBTIQ-Thematik als „links-woken Wahnsinn“ und lüftete den wirklichen Grund für sein Vorgehen. Die FPÖ betreibe politische Hetze gegen das christliche Jugendzentrum und nutze scheinheilig die Werte der katholischen Kirche für politische Zwecke, kritisierte Scherscher hart. Antauers Vorgehen sei politisches Kalkül, er wolle damit ganz bestimmte Wählergruppen ansprechen, schloss sich SPÖ-Vizebürgermeister Gerhard Riegler der Kritik an. Der blaue Amstettner Sicherheitsstadtrat und Landtagsabgeordnete Alexander Schnabel verteidigte Antauers Vorgehen naturgemäß. Er bezeichnete die Resolution als „Linkspopulismus par excellence“ und „Showpolitik der linken ÖVP.“ Als Sicherheits- und Integrationslandesrat sei Antauer zudem gar nicht für die Jugendförderung zuständig und müsse für seine eigenen Aufgabenbereiche sparen, argumentierte Schnabel weiters. Anträge der Grünen Nicht zufrieden mit dem „zahnlosen Bittschreiben“ an Antauer zeigte sich der Grün-Gemeinderat und Landtagsmandatar Dominic Hörlezeder . Antauers Kalkül, mit dem Stopp der Jugendarbeit Probleme zu fördern, um diese dann anprangern zu können, sei klar, behauptete der Grüne. Per Antrag forderte er, dass die Resolution aber an die gesamte Landesregierung gerichtet sein müsse. Schließlich sei egal, welches politische Ressort die gestrichenen 50.000 Euro Förderung für die Jugendarbeit beisteuere. In einem zweiten Antrag machte Hörlezeder deutlich, dass das Don Bosco-Heim unbedingt weitergeführt werden und deshalb die Stadt zusätzlich zur bereits erbrachten Förderung einspringen müsse. Mit der Aktion zog sich Hörlezeder viel Unmut zu, unterlief sie doch den eigentlichen Sinn der Sondersitzung: So schnell sollte die Landespolitik nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Die zwei Grünen Änderungsanträge wurden abgelehnt. „Eigentlich unvorstellbar“ nannte ÖVP-Vizebürgermeister Markus Brandstetter die willkürliche Entscheidung Antauers. Weit über 100.000 ehrenamtliche Stunden seien im Don Bosco-Heim erbracht worden, die Institution sei als politischer Spielball viel zu schade. Bei aller Diskrepanz zeigte sich in der Debatte dennoch ein Hoffnungsschimmer für den finanziell belasteten Heimbetreiber Sozialwerk Don Boscos. So schnell würden die Amstettner ihr Don Bosco-Heim nicht fallen lassen. Grundtenor: „Wir Amstettner werden eine Lösung finden.“ Spendenaktionen laufen bereits.
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