KURIER
Sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch und politische Verrohung: Sue Williams greift Themen auf, die heute aktueller denn je sind. Zugleich entfalten ihre Bilder mit leuchtenden Farben, dynamischen Linien und filigranen Details eine verführerische Wirkung. Seit den späten 1980er-Jahren setzt sich die US-amerikanische Künstlerin mit Körperbildern, Geschlechterverhältnissen und gesellschaftlichen Abgründen auseinander. Das Belvedere 21 zeigt bis zum 7. Juni 2026 die bisher umfassendste Werkschau von Sue Williams. Wütende Bilder gegen das Schweigen Williams wurde Anfang der 1990er-Jahre mit Arbeiten bekannt, die in einer bewusst rohen, comicartigen Bildsprache Gewalt gegen Frauen thematisieren. Ihre Bilder zeigen drastische Szenen sexualisierter Gewalt und Bedrohung, oft kombiniert mit lapidaren Texten. Williams verarbeitet darin auch eigene Erfahrungen und macht sichtbar, was gesellschaftlich oft verharmlost, verdrängt oder verschwiegen wird. Ihre frühen Arbeiten sind laut, wütend und direkt – und bis heute verstörend relevant. Verlockung und Zumutung Ab Mitte der 1990er-Jahre verändert sich ihre Malerei deutlich. Figuren lösen sich auf, Körper zerfallen in Fragmente und Pinselstriche gewinnen an Eigenleben. Die Bilder werden größer, abstrakter und zugleich körperlicher. Themen wie Gewalt, Sexualität und Macht tauchen nun oft erst auf den zweiten Blick auf, etwa in verzerrten Körperteilen und obszönen Anspielungen. Diese Spannung zwischen Schönheit und Zumutung macht Williams’ Werk so eindringlich. Ihre Bilder sind visuell verführerisch – und alles andere als harmlos. Trügerische Abstraktion Um die Jahrtausendwende wird Williams’ Kunst noch freier. Kräftige Farben, expressive Linien und dichte Bildräume bestimmen viele Werke. Auf den ersten Blick wirken manche Bilder fast gegenstandslos, doch dieser Eindruck täuscht. Der malerischen Geste selbst ist Körperlichkeit eingeschrieben, und Williams bricht bewusst mit den Erwartungshaltungen an ihre Malerei. Abgründe einer erschütternden Gegenwart Ab den frühen 2000er-Jahren reagiert Williams zunehmend auf politische Umbrüche wie den nach 9/11 ausgerufenen „War on Terror“. Ihre Bildräume verdichten sich zu organischen, zerrissenen Formen, in denen Gewalt und Zerstörung spürbar werden. In den 2010er-Jahren verknüpft sie diese Themen dann verstärkt mit persönlichen Erfahrungen von Verlust und Verletzung. Entlang der Bruchlinien Eine Konstante in Williams’ Werk ist die konsequente Auseinandersetzung mit dem Medium Malerei und den Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion. Williams’ Kunst blickt dorthin, wo es unangenehm wird. Humorvoll und unerbittlich bewegt sie sich entlang der Bruchlinien der Macht und erzählt von struktureller Gewalt, Trauma, Erinnerung und Resilienz. Der Ausstellungstitel WHAT NOW ist eine Frage an die Gegenwart: Was jetzt? Einfache Antworten gibt Williams nicht. Doch ihr Werk macht es unmöglich, der Frage auszuweichen. Mehr Informationen dazu finden Sie unter belvedere.at/sue-williams belvedere.at/programm
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