Collector
Biker-Wahnsinn in der Kalten Kuchl: Blitzlicht im Minutentakt | Collector
Biker-Wahnsinn in der Kalten Kuchl: Blitzlicht im Minutentakt
KURIER

Biker-Wahnsinn in der Kalten Kuchl: Blitzlicht im Minutentakt

Die Motorradindustrie ist ein milliardenschweres, boomendes Geschäft und der teils ohrenbetäubende Klang der Maschinen ein Instrument, mit dem man die Emotionen schürt. Die Motorradliebhaber erleben ein Hochgefühl, den lärmgeplagten Anrainern in der Kalten Kuchl in NÖ – der berüchtigten Motorradstrecke des Ostens – treiben die Dezibel eher die Zornesröte ins Gesicht. Welcher Belastung die Gemeinden zwischen Reichenau an der Rax und Mariazell (Stmk.) an schönen Sommertagen ausgesetzt sind, zeigt eine Schwerpunktaktion der Landesverkehrsabteilung Niederösterreich zu Beginn der heurigen Motorradsaison. Alle zweieinhalb Minuten war ein Motorradfahrer zu schnell. Wie der Chef der Landesverkehrsabteilung, Brigadier Willy Konrath gegenüber dem KURIER erklärt, wurden bei der zweitägigen „Aktion scharf“ 314 Geschwindigkeitsübertretungen von Motorrädern festgestellt. Welche seltsamen Blüten der Temporausch in der berüchtigten Kalten Kuchl (Bezirk Lilienfeld), am Ochs-, Lahn- oder dem Rohrer Sattel (B 21) treibt, zeigen die Ergebnisse der Radarkontrollen . Wie Konrath erklärt, donnerte ein Wiener Biker fünfmal hintereinander in dieselbe Radarfalle. Er dürfte sein Motorrad getestet haben. Tempolimits gesenkt Um dem Wahnsinn Herr zu werden, haben die Gemeinden, das Land NÖ, die Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld sowie die Landespolizeidirektion über den vergangenen Winter die Unfallhäufungspunkte auf der beliebten Motorradstrecke analysiert und an den neuralgischen Stellen die Tempolimits auf 50 bzw. 70 km/h nach unten gesetzt. Genau jene Stellen werden heuer bei Schwerpunkten stärker überwacht, „es wurde ein neues Überwachungskonzept ausgearbeitet“, erklärt Konrath . Dabei kommt auch die neueste Technologie zum Einsatz – beispielsweise Lichtschranken-Radargeräte, die es erlauben, stark kurvenreiche Strecken effizient zu überwachen. Ohne Kontrollen sei dem Wahnsinn Tür und Tor geöffnet. Was der Polizei und den Behörden bei ihren Schwerpunktmaßnahmen unterkommt, sei teilweise „haarsträubend“. Willy Konrath erinnert sich an ein Radarfoto . Dabei streift ein geblitzter Biker im Stil von Valentino Rossi mit dem Fußraster am Asphalt. Es sind die engen Kurvenradien, die die berüchtigte Strecke so gefährlich machen, weiß Konrath. Sarg oder Intensivstation Wie schnell das Vergnügen auf zwei Rädern im Sarg oder auf der Intensivstation endet, zeigte sich erst am vergangenen Wochenende. Die Bilanz von zwei Ausflugstagen: fünf schwerverletzte Motorradfahrer. In St. Aegyd am Neuwalde (Bez. Lilienfeld) krachten auf der B 21 zwei Motorräder in einer engen Kurve, die für schwere Unfälle bekannt ist, frontal gegeneinander. Ein 51-jähriger Mann aus der Slowakei und ein 57-Jähriger aus dem Bezirk Neunkirchen mussten mit Notarzthubschraubern in die Unikliniken St. Pölten und Wiener Neustadt geflogen werden. Fast zeitgleich donnerte im Höllental (Bezirk Neunkirchen) ein 26-jähriger Zweiradlenker aus Wien in das Heck eines Pkw. Ein Thema, das besonders den Bewohnern und Bürgermeistern der Region den Nerv zieht, ist der Lärm, der die Lebensqualität mindert. Mittlerweile gibt es handelsübliche Maschinen mit Auspuffanlagen, bei denen 110 Dezibel ganz legal im Typen- und Zulassungsschein eingetragen sind, stellten Mitarbeiter des technischen Prüfzuges vom Land Niederösterreich bei Schwerpunktkontrollen fest.

Go to News Site