KURIER
Der bevorstehende Internationale Tag der Pflege, der am 12. Mai begangen wird, ist ein guter Anlass, auf die Zukunft von Betreuung und Pflege zu blicken und dabei auch daran zu denken, was das für die eigene Zukunft bedeuten kann. In Österreich sind zur Zeit rund 56.500 BetreuerInnen tätig, die etwa 35.000 MitbürgerInnen betreuen. Der Bedarf an BetreuerInnen nimmt stetig zu, insbesondere da die Lebenserwartung steigt: Im Jahr 2000 betrug das durchschnittliche Lebensalter von Frauen 81,1 Jahre, von Männern 75,1 Jahre. 2024 lag es bei Frauen bereits bei 84,3 Jahren, bei Männern bei 79,8 Jahren. Pflege- und Betreuungsnotstand droht Der für das Thema Betreuung zuständige Obmann der Fachgruppe Wien Personenberatung und Personenbetreuung, Harald G. Janisch, appelliert eindringlich an die Politik: „Die Situation wird immer dramatischer. Insbesondere bei der 24-Stunden- Betreuung mangelt es zunehmend an Geld und BetreuerInnen.“ Wie der Experte ausführt, geht es dabei einerseits um bessere Honorare für die BetreuerInnen, aber auch um die Finanzierung der begleitenden Qualitätssicherung durch diplomierte Pflegefachkräfte. Diese Form der Qualitätssicherung ist vor allem notwendig geworden, weil heute die betreuten Personen zunehmend einen komplexeren Betreuungsbedarf aufweisen. Viele von ihnen haben auf Grund der jeweiligen körperlichen oder seelischen Erkrankungen einen erhöhten Pflegeaufwand und können ihren Arbeitsalltag nicht mehr alleine bewältigen. Wenn sich, insbesondere die finanziellen Rahmenbedingungen für die Betreuungskräfte nicht verbessern, wandern sie in besser bezahlende Nachbarländer wie Deutschland, Italien oder die Schweiz ab. Ohne Gegenmaßnahmen steuert das Land, so Janisch wörtlich, „sehenden Auges auf einen Pflege- und Betreuungsnotstand zu“. 24-Stunden-Betreuung muss leistbar sein Janisch verweist auch auf die ungleiche Finanzierung von Heimen und der 24- Stunden-Betreuung. Während die öffentliche Hand die Aufenthalte in Heimen im Jahr 2024 mit enormen 2,5 Milliarden Euro unterstützt hat, waren es im Vergleich dazu nur 193 Millionen bei der 24-Stunden-Betreuung. Oder anders ausgedrückt: der Staat gab im Jahr 2024 pro Heimplatz rund 36.500 Euro aus, aber nur 8.700 Euro für jede 24-Stunden- Betreuung. Die 24 Stunden Betreuung ist mit den erwähnten 193 Millionen Euro für den Staat günstiger als Heimplätze, aber für die betroffenen Familien oft schwer leistbar. Denn zu den Honoraren für die BetreuerInnen und für die Qualitätssicherung durch diplomierte Pflegefachkräfte kommen noch die Kosten für die Verpflegung der BetreuerInnen und die anteiligen Kosten für Energie, Heizung, etc. Da entstehen oft monatliche Ausgaben von über 4.000 Euro für die betreuten KlientInnen und deren Familien. Politische Maßnahmen dringend nötig Daher wurde von mehreren Stakeholdern aus der Pflege und Betreuungsbranche, zu denen auch die Fachgruppe Wien Personenberatung und Personenbetreuung zählt, die Plattform Personenbetreuung initiiert. Sie hat einen Forderungskatalog an die Politik erstellt. Mit den darin enthaltenen Maßnahmen sollen sich betreuungs- und pflegebedürftige Menschen auch in Zukunft eine 24-Stunden-Betreuung leisten können. Eine wichtige Maßnahme wäre die Auszahlung der staatlichen Förderung auch bei sogenannten „geteilten Diensten“. Bei diesen versorgt eine Betreuungskraft mehrere KlientInnen. Diese Dienste bieten die Chance, die 24-Stunden-Betreuung für viele leistbar zu machen. Die überfällige Anhebung der Einkommensgrenze, bis zu der man die Förderung zur Gänze beziehen kann, wurde erst Mitte April im Parlament auf unbestimmte Zeit verschoben. Für Janisch ist das völlig unverständlich: „Dabei geht es darum, diese Einkommensgrenze das erste Mal seit dem Jahr 2007 anzuheben – von 2.500 Euro auf zumindest 4.000 Euro.“ Würdig leben im eigenen Zuhause Am 12. Mai wird der Tag der Pflege begangen. „Dieser Tag ist ein willkommener Anlass die Politik an ihre Verantwortung für Pflege und Betreuung zu erinnern. Besonders geht es uns darum, die wichtige gesellschaftliche Rolle der 24-Stunden- BetreuerInnen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Sie stehen den betreuten Menschen rund um die Uhr bei und ermöglichen ihnen ein Leben in den eigenen vier Wänden. Es darf nicht bei Sonntagsreden der Politik bleiben,“ verlangt Janisch Unterstützungen für die Betreuung. Wer früh vorsorgt, lebt länger selbstbestimmt „Gut leben im Grätzl“ zeigt, wie lokale niederschwellige Gesundheitsvorsorge funktionieren kann Körperliche und seelische Gesundheit – also etwa richtige Ernährung, Bewegung, Stressbekämpfung – zur Bevölkerung zu bringen und ein würdevolles Leben im eigenen zu Hause zu ermöglichen, das sind die Ziele der Initiative „Gut leben im Grätzl“ . Die Initiative ist bereits in mehreren Bezirken Wiens aktiv. Direkter und praxisnaher Zugang In den Bezirken organisieren die Teams der Initiative regelmäßig Veranstaltungen, Stammtische, Vorträge oder nehmen an Veranstaltungen anderer Organisationen teil. Dabei geben sie einen praxisnahen Zugang zu Themen rund um seelische Gesundheit, richtige Ernährung, Bewegung und Sport. Die Teilnahme ist dabei kostenlos. Maßgeschneiderte Unterstützung Wienweit koordiniert werden die Teams von Stephanie Niederhuber: „Die ExpertInnen unserer Grätzl-Teams bieten maßgeschneiderte Unterstützung: im psychosozialen Bereich, also etwa bei Stress, Trauer oder auch bei Beziehungsproblemen, bei Bewegung und Sport, bei der Ernährung und bei der Betreuung für pflegebedürftige Familienangehörige, stundenweise oder rund um die Uhr als 24-Stunden-Betreuung.“ Das eigene Wohlbefinden fördern „Gut leben im Grätzl“ versteht sich als Ergänzung zum klassischen Gesundheitssystem. Bewegung, Ernährung und mentale Fürsorge unterstützen dabei, das eigene Wohlbefinden zu fördern und die Widerstandskräfte zu stärken. Koordinatorin Niederhuber ist selbst psychosoziale Beraterin und weiß aus eigener Erfahrung: „Es ist immer besser auf Gesundheitsvorsorge statt auf Behandlung zu setzen.“
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