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Spekulationen um Lotterien und Casinos – alles ist möglich
KURIER

Spekulationen um Lotterien und Casinos – alles ist möglich

In der heimischen Glücksspielbranche schrillen die Alarmglocken. Der tschechische Allwyn-Konzern, mit knapp 60 Prozent Mehrheitseigentümer der Casinos Austria Gruppe (Casag), könnte Appetit auf weitere Anteile an der teilstaatlichen Glücksspielgruppe haben. Im Fokus stehen weniger die 12 Inlandscasinos und die Auslandsbeteiligungen, sondern die Cashcow Lotterien. In einer Präsentation für Investoren stellt Allwyn „Drei Säulen unserer anorganischen Wachstumsstrategie“ vor. Ein Punkt ist die Erhöhung von Beteiligungen an bestehenden Unternehmen. Neben der Opap-Lotterie in Griechenland und Sazka in Tschechien sind auch die Casinos Austria und die Österreichischen Lotterien angeführt. Nur noch eine Marke? Unter anorganischem Wachstum versteht man Wachstum durch Akquisitionen und Beteiligungen und nicht aus dem Unternehmen selbst heraus. Als Schwerpunkte der Investitionen gibt Allwyn ein starkes Finanz- und Renditeprofil auf eigenständiger Basis an, sowie die Kontrolle über die Cashflows und umfassende Mitbestimmungsrechte. Bemerkenswert ist auch ein weiterer Punkt der Präsentation über eine globale Markenstrategie. Diese maximiere die Sichtbarkeit und Marketing-Effektivität. Re-Branding von bestimmten lokalen Unternehmen würde garantieren, dass Lotterien auch für die nächsten Verbraucher-Generationen, die digital-affinen Kunden, relevant blieben. Eine einzige Marke, wird argumentiert, sorge für eine erhebliche Effizienzsteigerung im Marketing, z. B. als Partner von weltweiten Premium-Events, ergänzt durch lokale Sponsoren. Insider leiten aus der Präsentation ab, dass Allwyn die Anteile in Österreich aufstocken oder die Casag womöglich ganz übernehmen möchte. Die Mehrfachrolle des Staates sorgt ohnehin seit Jahren für Kritik. Das Finanzministerium hat die oberste Glücksspielaufsicht, vergibt die Konzessionen und ist selbst Eigentümer. Die Staatsholding ÖBAG hält ein Drittel an der Casag-Gruppe. Es könnte also auch möglich sein, dass die Tschechen die Marken Casinos und Lotterien gegen Allwyn tauschen. Ob ein solches Re-Branding derart starker nationaler Marken Sinn macht, ist eine andere Frage. Allwyn wollte gegenüber dem KURIER keine der Fragen dazu beantworten. Das Unternehmen ist mittlerweile einer der größten Lotto-Anbieter Europas, bekannt für knallhartes Rendite-Management und aggressives Agieren am Markt. Das hat Mehrheitseigentümer Karel Komarek in Österreich im erbitterten Kampf um die Mehrheit an der Casag-Gruppe gegen den niederösterreichischen Novomatic-Konzern des Industriellen Johann F. Graf bewiesen. Ein Übernahmeangebot an die Staatsholding respektive die Republik wäre zum jetzigen Zeitpunkt allerdings verfrüht. Solange die neuen, Konzessionen nicht vergeben sind, würde Komarek die Katze im Sacke kaufen. Der Wert der Casag ist derzeit schwer zu bestimmen. Wie man hört, hat man sowohl in der ÖBAG als auch im Wirtschaftsministerium derzeit keine Signale. Ein Verkauf der Casinos-Anteile bräuchte laut ÖBAG-Gesetz einen einstimmigen Ministerratsbeschluss. Das Auftreten eines Wettbewerbers um die Lotterien sorgt beim Monopolisten Casag für hohe Nervosität. Wie berichtet, will der Lotterien-Konzern Brightstar in einem Österreich-Konsortium um die 2027 auslaufende Lizenz mitbieten. Brightstar-Manager Marco Tasso sieht bei den Lotto-Einnahmen noch genügend Luft nach oben und sagte im trend, die Wertschöpfung für Österreich inklusive Steuern und Sponsoring könne verdoppelt werden, alle Mitarbeiter würden übernommen, der CEO ein Österreicher sein. Die Post musste auf Druck von Noch-ÖBAG-Chefin Edith Hlawati aus dem Konsortium wieder aussteigen. ÖBAG und Allwyn haben in ihrem Syndikatsvertrag eine Non-Compete-KLausel mit 10 Millionen Konventionalstrafe vereinbart. Dafür bekam die Post einen neuen Vertriebsvertrag für alle 1700 Poststellen und -partner mit den Lotterien samt neuen Terminals, ein Casag-Sprecher spricht von einer „Weiterentwicklung der bestehenden Partnerschaft“. Die Lotterien machen jedoch nur sechs Prozent ihres Umsatzes über die Post, größter Vertriebskanal sind mit 75 Prozent die Trafiken, gefolgt von 12 Prozent Online. Der Entwurf für das neue Glücksspielgesetz, die Basis für die Ausschreibung der Lizenzen, soll vor dem Sommer in Begutachtung gehen und im Herbst im Parlament beschlossen werden. Im Doppelbudget 2027/28 sind die künftigen Einnahmen aus der Glücksspielbesteuerung nicht eingepreist. Fix ist, dass es kein Online-Monopol der Lotterien mehr geben wird, sondern dass mehrere Online-Lizenzen vergeben werden. Die Casag soll versucht haben, sich für diesen Fall mit privaten Mitbewerbern zu koordinieren, was allerdings, wie man hört, vergeblich war. Der Casag-Sprecher beteuert freilich, es habe gar keinen Versuch gegeben. Dass SPÖ-Finanzsprecher Kai Jan Krainer übrigens nicht mehr im koalitionären Verhandlungsteam sei, will er als „Gerücht aus zweifelhaften Quellen“ nicht einmal kommentieren.

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