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Poolsaison sorgt für Belastung der Wassernetze
KURIER

Poolsaison sorgt für Belastung der Wassernetze

Am Wochenende klettern die Temperaturen wieder auf über 20 Grad – für viele Niederösterreicher der Startschuss, den eigenen Pool für die Sommersaison vorzubereiten. Gerade Anfang Mai werden zahlreiche Schwimmbecken gleichzeitig gereinigt und neu befüllt. Für Gemeinden und Wasserverbände bringt das jedoch zunehmend Herausforderungen mit sich. Grundwasserstände niedrig Denn während tausende Liter Wasser in private Pools fließen, sind die Grundwasserstände vielerorts niedrig. Eine aktuelle Analyse von Greenpeace zeigt, dass die Pegel in ganz Österreich unterdurchschnittlich sind - der KURIER berichtete . Besonders problematisch wird dabei die gleichzeitige Wasserentnahme an den ersten warmen Frühlingstagen: Sie kann zu Druckabfällen in Ortsnetzen führen und Hochbehälter stark belasten. Mehrere Gemeinden in Niederösterreich appellieren deshalb inzwischen an ihre Bürgerinnen und Bürger, Poolbefüllungen vorab zu melden, damit sie koordinierbar sind. In Mank (Bezirk Melk) etwa wird um Anmeldung im Rathaus gebeten, in Viehdorf (Bezirk Amstetten) wurde heuer erstmals ein Online-Poolfüllkalender eingeführt. Ziel ist es, Spitzenverbräuche zu vermeiden und die Trinkwasserversorgung stabil zu halten. Poolfüllkalender „Die Diskussion geht oft in Richtung ,Oh mein Gott, die Pools verbrauchen unser Wasser‘“, sagt Jürgen Rathmanner vom Österreichischen Verband der Schwimmbad- und Saunawirtschaft . Entscheidend sei laut ihm nicht die Existenz privater Pools, sondern die koordinierte Befüllung. „Das einzig wirklich intelligente System ist ein Poolfüllkalender. Wenn Gemeinden das anwenden, dann sind Wasserverbände und Infrastruktur auf der sicheren Seite.“ Das digitale Tool ermöglicht ein geordnetes Wassermanagement bei der Befüllung. Gemeinden legen fest, wie viele Poolbefüllungen pro Tag möglich sind, anschließend kann man sich anmelden und einen konkreten Termin buchen. Ist die Tageskapazität erreicht, sind keine weiteren Termine mehr möglich. So soll die Versorgungssicherheit sichergestellt werden. 70.000 Pools in Niederösterreich Tatsächlich entfallen laut Angaben der Branche lediglich rund fünf Prozent des täglichen Trinkwasserverbrauchs auf Swimmingpools. Zum Vergleich: Etwa 25 Prozent werden für Toilettenspülungen verwendet. Pro Kopf werden in Österreich täglich rund 130 Liter Trinkwasser genutzt. Der jährliche Trinkwasserverbrauch in Österreich beträgt laut Umweltministerium rund 754 Millionen Kubikmeter. Davon entfallen laut einer Studie der BOKU etwa 16 Millionen Kubikmeter auf die Befüllung privater Pools. „Streng genommen ist es nicht korrekt, hier von Verbrauch zu sprechen, denn das Wasser wird ge- und nicht verbraucht“, sagt Rathmanner . Poolwasser versickere meist im eigenen Garten und werde so wieder dem Grundwasser zugeführt. Problematisch sei lediglich die Einleitung in den Kanal: „Dann steht das Wasser dem Grundwasser nicht mehr zur Verfügung.“ Die eigentliche Herausforderung sieht die Branche daher weniger im Wasserbedarf selbst als in den Lastspitzen zu Saisonbeginn - immerhin müssen in Niederösterreich rund 70.000 Pools mit Trinkwasser befüllt werden. Tipps zur Poolbefüllung Neben der Meldung an der Gemeinde, dass der Pool befüllt wird, oder die Koordination im Poolfüllkalender, sei es besonders sinnvoll, Pools in den Nachtstunden zu befüllen, da der Wasserverbrauch tagsüber deutlich höher ist. Außerdem sollten größere Wassermengen möglichst frühzeitig und über mehrere Tage verteilt eingelassen werden. So lassen sich Druckabfälle im Ortsnetz vermeiden und Hochbehälter entlasten. Auch beim späteren Ablassen des Wassers sieht die Branche großes Potenzial zur Ressourcenschonung. „Poolwasser muss nicht einfach entsorgt werden“, sagt Rathmanner. Bei fachgerechter Pflege könne leicht chloriertes Wasser problemlos etwa zum Gießen von Grünflächen oder zur Bewässerung des Gartens verwendet werden.

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