KURIER
Der Song Contest ist auch ein gesellschaftliches Ereignis, auf dem sich die hohe Politik als guter Gastgeber präsentieren muss: Anders als mittlerweile bei jedem Fußballspiel gibt es beim ESC aber keine VIP-Tickets im freien Verkauf – umso elitärer und geheimnisvoller ist daher dieser Aspekt beim bevorstehenden Großevent in der Stadthalle. Der KURIER hat aber die wichtigsten Details dazu herausgefunden: Der ORF ist als Veranstalter vertraglich verpflichtet, eine „Hospitality Area“ – also einen exklusiven Bereich mit Bewirtung – zu schaffen. Wie groß dieser bei rund 12.000 Zuschauern sein und wer sich dort ein Stelldichein geben wird, fällt laut ORF unter strenge Geheimhaltung . Mitgeteilt wird lediglich, dass sich dort „Partner und Sponsoren aufhalten können“. 45 Plätze in Ehrenloge Auskunftsfreudiger ist das Büro von SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig , der als oberster Vertreter der „Host City“ Wien als Gastgeber fungiert: In der Ehrenloge – sie umfasst 45 Plätze – werden Ludwig und ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher diverse Gäste aus dem In- und Ausland empfangen. „Am Finaltag werden hier u. a. alle Mitglieder der Stadtregierung, der Bürgermeister, die Generaldirektorin, der EBU-Director, der Bundespräsident, Kanzler, Vizekanzler und Vizekanzlerin und auch Bürgermeister der umliegenden Bundeshauptstädte eingeladen“, berichtet ein Ludwig-Sprecher. Geladen sind übrigens auch alle nicht-amtsführenden Stadträte der Opposition (da ja auch Teil der Stadtregierung): Bei Grünen und ÖVP ist die Teilnahme noch offen – abgesagt hat bereits das FPÖ-Trio. Achtung Beamte! Der Auftakt des Empfänge-Reigens ist übrigens schon am Sonntagabend im Rathaus: Der Bürgermeister lädt alle Gemeinderäte zur „Welcome Reception“ in den Festsaal. Auch hier fehlt der blaue Klub geschlossen, weil „wir nicht champagnisieren können, wenn wir das Event kritisch sehen“, heißt es. Einen weiteren gesellschaftlichen Höhepunkt gibt es dann am Dienstag zum ersten Semifinale: Alle Botschafter der teilnehmenden Länder werden von Ludwig im Eurovision Village auf dem Rathausplatz begrüßt. Wer kein Politiker mit Repräsentationspflichten ist, sollte aber vorsichtig sein: Da in der Stadthalle der ORF als Veranstalter fungiert, könnte das strenge Korruptionsstrafrecht für Amtsträger gelten, wenn sich jemand im VIP-Bereich drängelt. Auch ein Ludwig-Sprecher warnt im Vorfeld: „Das Dienstrecht verbietet es Magistratsbediensteten, sich, Angehörigen oder dritten Personen Geschenke oder andere Vorteile, die mit der dienstlichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen, zuwenden oder zusichern zu lassen.“
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