KURIER
Deine negative Energie brauch’ ich überhaupt nicht.“ Diesen Satz krieg ich von meiner Tochter um die Ohren gehauen, wenn ich mein Quo-vadis-Fortpflanz-Besorgnis-Lamento absondere. Fernmündlich. Sie lebt ja in Berlin. Ich meine, wir sind lange nach ihrem Großhirn-Großumbau, auch Pubertät genannt, sie ist 32, aber es fühlt sich dann doch immer wieder so an. Meine bemüht neutral gehaltenen Kalmierungs-Zugänge wie „Es geht mich natürlich schon lange nichts mehr an, aber ...“ oder, haltlos übertrieben, „Hauptsache, du bist glücklich!“ kann ich sowieso in die Tonne treten. Mütter und Töchter scheinen sich prinzipiell auf weitaus heiklerem Terrain, was Neurosen, Kritik und Kränkungen betrifft, zu bewegen. Söhne haben da von den Frauen , die sie in die Welt geschossen haben, einen weit dehnungsfähigeren Toleranzbonus, egal wie schlecht sie sich benehmen. „Er macht gerade eine schwere Zeit durch“, wird da geseufzt oder (wenn es eine Gattin gibt) „Die Frau ist ja auch wirklich alles andere als einfach.“ Den Adler schoss eine Frau ab, deren Sohn seinen Vater getötet hatte. Sie bat den Richter: „Seien Sie nicht allzu streng mit ihm, euer Ehren, er ist ja jetzt Halbwaise.“ Wahnsinnig nervend finde ich diese Frauen, die ständig damit prahlen, dass sie die besten Freundinnen ihrer Töchter seien. Und dann vielleicht noch optisch mit ihnen konkurrieren , damit sie dieses „Wer ist jetzt hier die Tochter?“-Kompliment abgarnieren können. Ich liebe diese Apple-Serie „Margo’s Got Money Troubles“, wo Elle Fanning ihrer dysfunktionalen Mutter (Michelle Pfeiffer) hinpfeffert: „Du wolltest mich ja nur deswegen als beste Freundin, weil du keine eigene hast.“ Gelebte Brutalität. Wie so oft in der Brutpflege. „Mamacholie“: Pollys Muttertagsspecial diesen Sonntag, 11 Uhr, im Rabenhof. pollyadler.at , polly.adler@kurier.at
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