Collector
Wohin fahren Sie heuer auf Cation – und warum? | Collector
Wohin fahren Sie heuer auf Cation – und warum?
KURIER

Wohin fahren Sie heuer auf Cation – und warum?

Als im vergangenen November der Trend für das Reisejahr 2026 ausgerufen worden war, konnte man seine ironische Bedeutung noch nicht absehen: die Whycation . Hätte man damals gewusst, dass der orangefarbene Cowboy schon bald den Iran anzugreifen gedenkt, wäre einem sofort das alte pazifistische Schriftbild WARum? eingefallen, aber es ist davon auszugehen, dass der Cowboy im November selbst noch nicht gewusst hat, dass er den Iran anzugreifen gedenkt. Das Reisejahr hat er dennoch nachhaltig mitgestaltet , thanks for nothing . Ursprünglich war Whycation natürlich anders gemeint. Die Studie der Hilton-Gruppe, aus der dieser Trend erdacht wurde, ergab nämlich, dass „deutsche Reisende nach Reisen suchen, die einen klaren Zweck und emotionale Beweggründe haben“. Na sowas. Jetzt könnte man unken, dass Deutsche halt vielleicht öfter auf Sinnsuche sind, aber erstens sind nationalistische Länderjokes total aus der Mode gekommen und zweitens hieße das im Umkehrschluss ja, dass Österreich entsprechend weniger auf dieser Suche sind und ... das ginge nach hinten los. Also bleiben wir bei der Frage, ob uns der Trend schlüssig scheint. Bei vorangegangenen Cations gab es immer eine logisch klingende Bedeutung. Wieso schauen Sie jetzt so, Sie werden ja nicht gedacht haben, die Why ist die erste cation ? Es gibt schon die Workcation , die Quietcation , die Coolcation . Während bei denen eben Urlaub ( vacation ) mit Arbeit, Ruhe oder klimatischer Abkühlung verbunden wird, wären wir an sich davon ausgegangen, dass immer schon alle Reisenden einen „klaren Zweck“ oder „emotionale Beweggründe“ für ihr Verreisen hatten. Aber scheinbar fuhren früher viele (Deutsche) gedankenverloren zu Flughafen und Bahnhof, bestiegen grundlos Züge und Flieger und kamen ohne emotionale Regung irgendwo an. Beruhigend, dass das jetzt nicht mehr so ist. Ja, schon gut, ich muss das nicht so verblödeln. Wohlwollend könnte man aus der Studie auch lesen: Es wurde egaler, wohin wir reisen – aber wichtiger, warum. Oder besser: wofür? Zweck und emotionales Bedürfnis stehen über dem Reiseziel. Das hat wiederum was. Und doch wirken diese Trends immer konstruiert, damit man den Menschen was verkaufen kann. Denn was ist schon Reisen ohne Trend, das wäre ja wie früher, wo wir einfach ans Meer gefahren sind, weil das Meer halt gut riecht. Quasi Smellcation . Wo uns der tiefere Grund noch egal war, Hauptsache, mal ein anderer Ausblick, eine Wurschtcation . Wo man sich – und das gefällt mir als Pragmatiker am besten – nicht so viel Why gefragt hat, sondern mehr Why not . Aber ja, Sie haben recht: Whynotcation klingt wirklich nach nix.

Go to News Site