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Kostenlose psychologische Behandlung: Wer Anspruch hat und wie gut sie genutzt wird
KURIER

Kostenlose psychologische Behandlung: Wer Anspruch hat und wie gut sie genutzt wird

Seit Jänner 2026 vermittelt die neue Serviceplattform psyhelp.at erstmals österreichweit vollfinanzierte Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlung. Nach 100 Tagen liegt nun eine erste Zwischenbilanz vor: Rund 6.500 Menschen haben sich bisher angemeldet, mehr als 13.000 Dokumente wurden geprüft und in den vergangenen Wochen konnten rund 2.000 Behandlungsplätze vergeben werden. Die Plattform wurde vom Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) in Zusammenarbeit mit den Sozialversicherungsträgern eingerichtet. Sie soll den Zugang zu klinisch-psychologischer Versorgung vereinfachen. Zuteilung nach ärztlicher Untersuchung Patientinnen und Patienten melden sich überwiegend online, direkt über die Plattform, aber auch per Mail oder Telefon an. In einem ersten Schritt werden ärztliche Bestätigungen – darüber, dass körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können – und Befunde formal und fachlich geprüft. Die ärztliche Untersuchung kann von Allgemeinmedizinern oder auch von Fachärzten für Neurologie oder Psychiatrie durchgeführt werden. Anschließend folgt die Zuteilung eines freien Kassenplatzes bei einer vertraglich angebunden klinischen Psychologin oder einem klinischen Psychologen, wobei aus drei Vorschlägen gewählt werden kann. „Das Ziel ist, so schnell wie möglich, wohnortnah psychologische Hilfe zu vermitteln. Mit psyhelp haben wir einen bundesweit einheitlichen Zugang, der gezielt, fair und nachvollziehbar klinisch-psychologische Behandlung vermittelt. Das ist einzigartig in Europa“, zeigte sich BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger bei einer Pressekonferenz am Montag erfreut. 65 Prozent der bisherigen Anmeldungen sind Frauen 700 der insgesamt 12.000 Psychologinnen und Psychologen in Österreich sind für die Plattform akkreditiert. Die Vermittlung erfolgt nach festgelegten Kriterien, darunter Schweregrad der Erkrankung, regionale Erreichbarkeit und individuelle Anforderungen, etwa, ob die Behandlung in einer Fremdsprache erfolgen soll. 30 Sprachen werden angeboten, 10 Prozent der bisher vermittelten Behandlungen erforderten eine Fremdsprache. Die bisherigen Auswertungen zeigen zudem, dass psyhelp von Menschen aller Altersgruppen genutzt wird. Der größte Anteil der Anmeldungen entfällt auf Erwachsene zwischen 20 und 60 Jahren. 65 Prozent der Anmeldungen bei psyhelp stammen von Frauen. Zu den häufigsten Diagnosen zählen Depressionen sowie Angststörungen und phobische Störungen. Das Angebot wird sowohl von Personen genutzt, die erstmals psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, als auch von Patientinnen und Patienten nach stationären Aufenthalten oder bei länger bestehenden psychischen Erkrankungen. Etwa zehn Prozent der Anmeldungen erfolgen nach einem stationären Aufenthalt. Die meisten Anmeldungen relativ zur Bevölkerung kamen aus Wien, gefolgt von Steiermark und Kärnten. "Betrifft Menschen in allen Lebensrealitäten" Gesundheitsministerin Korinna Schumann verwies bei der Präsentation der Bilanz auf die grundsätzliche Bedeutung psychischer Gesundheit im Versorgungssystem: „Wenn wir über Gesundheit sprechen, dann müssen wir immer auch über psychische Gesundheit sprechen. Den psychische Gesundheit ist keine Randfrage unseres Gesundheitssystems. Sie betrifft Menschen in allen Altersgruppen, in allen Lebensrealitäten und in allen Regionen unseres Landes.“ Viele Menschen würden Belastungen erleben, durch Unsicherheit, Überforderung, Einsamkeit, familiäre Krisen, Erkrankungen oder schwierige Lebenssituationen. „Und viele Menschen brauchen in diesen Situationen professionelle Unterstützung. Deshalb ist es so wichtig, dass wir psychische Versorgung Schritt für Schritt weiter ausbauen und den Zugang erleichtern“, so Schumann. Bis 2029 sind jährlich 120.700 Behandlungseinheiten vorgesehen. Pro Person sind bei Zuweisung eines kostenlosen Behandlungsplatzes 10 Einheiten möglich, die jedoch bei Bedarf erhöht werden können. Laut Andreas Huss, ÖGK-Arbeitnehmer-Obmann , würden Erfahrungen aus der Finanzierung von Psychotherapie zeigen, dass im Schnitt 12 Einheiten in Anspruch genommen werden. „Insgesamt stärkt der Vertrag die flächendeckende, leistbare und qualitätsgesicherte psychische Gesundheitsversorgung. Er erleichtert den ersten Schritt in die Behandlung, verkürzt Wege und Wartezeiten und schafft klare Strukturen für Betroffene, Angehörige und Leistungserbringer“, betonte Huss. Neben den vollfinanzierten Kassenplätzen, die über psyhelp vermittelt werden, ist es weiterhin möglich bei einem Wahlpsychologen oder einer Wahlpsychologin einen Kostenzuschuss zu erhalten. Dieser beträgt, wie auch bei der Psychotherapie, 36 Euro pro Einheit. Der Kostenzuschuss und eine vollfinanzierte Behandlung, egal ob Klinische Psychologie oder Psychotherapie, dürfen jedoch nicht zeitgleich in Anspruch genommen werden.

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