Vorarlberg Online
Wer auf Vorarlbergs Wanderwegen unterwegs ist, genießt oft bestens gepflegte Pfade - und denkt kaum darüber nach, wer dahintersteckt. Doch genau dafür sorgen die Wegwarte des Alpenvereins. Sie räumen nach Unwettern auf, beseitigen Schäden und halten die Wege in Schuss. Gerade nach Starkregen oder Stürmen wartet auf die Ehrenamtlichen jede Menge Arbeit. Mit Schaufel und viel Engagement Guntram Salomon kennt die Wege rund um den Hohen Fraßen wie seine Westentasche. Einmal pro Woche zieht der ehemalige Berufsschullehrer los, um nach dem Rechten zu sehen. Über der Schulter trägt er dabei meist sein wichtigstes Werkzeug. „Eine Hacke und eine Schaufel, normalerweise habe ich auch noch einen Rechen dabei. Wenn ziemlich viel Schotter angefallen ist ... Und ab und zu auch noch eine elektrische Säge“, erzählt Salomon. Sein Arbeitstag am Berg ist abwechslungsreich. Lockere Steine räumt er aus dem Weg und setzt sie als Trittsteine neu ein. Nach starken Regenfällen legt er Entwässerungsrinnen an, damit Wasser nicht über die Wanderwege abläuft und diese beschädigt. Die Arbeit sei zwar körperlich anspruchsvoll, bringe aber auch viel Anerkennung mit sich. Besonders motivierend seien die Begegnungen mit Wanderern. Ein freundliches Dankeschön oder ein kurzes Gespräch am Wegesrand zeige ihm immer wieder, wie wichtig sein Einsatz für Einheimische und Gäste ist. Aus Verbundenheit zur Region Auch Karlheinz Dobler gehört zu jenen, die ihre Freizeit in den Dienst der Bergwelt stellen. Mehrmals im Jahr ist er am Armatin-Höhenweg am Muttersberg unterwegs, kontrolliert den Zustand des Weges und packt dort an, wo Reparaturen nötig sind. Für den Pensionisten ist das Ehrenamt vor allem eines: eine Möglichkeit, der Region etwas zurückzugeben. „Man macht das, weil man sich selbst gerne in den Bergen bewegt und weil man es schätzt, wenn Wege gepflegt sind“, sagt Dobler. Die Verbundenheit zum Muttersberg wurde Karlheinz Dobler praktisch in die Wiege gelegt. Schon seine Eltern und Großeltern besaßen dort Grund und Boden. Aus dieser engen Beziehung zur Region ist über die Jahre ein starkes Verantwortungsgefühl entstanden. „Ich bin in der glücklichen Lage, in Pension zu sein. Warum soll ich nicht vielen Menschen etwas zurückgeben, woran sie Freude haben?“ Wege mit langer Geschichte Der Armatin-Höhenweg blickt laut Dobler auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Entstanden seien viele Wege ursprünglich nicht für den Tourismus, sondern als Arbeitswege. Entlang der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden saisonal Arbeiter beschäftigt, die über diese Pfade zu ihren Baustellen gelangten. Dort errichteten sie Sperren, Mauern und weitere Schutzbauten. Mit dem Aufschwung des Tourismus in den 1950er- und 1960er-Jahren wären die Wege dann zunehmend von Wanderern genutzt worden. Damit wuchs auch die Bedeutung ihrer Pflege. Diese Aufgabe hätte in vielen Fällen der Alpenverein übernommen. Fitness und Freude als wichtigste Voraussetzungen Wer sich als Wegwart engagieren möchte, sollte nicht nur trittsicher sein, sondern auch gerne anpacken. Körperliche Fitness, handwerkliches Geschick und Freude an der Arbeit in der Natur sind die wichtigsten Voraussetzungen. „Der größte Teil ist die Motivation und der Spaß dabei“, betont Dobler. Hilfreich sei auch die enge Verbundenheit zur Region. Wer direkt vor Ort lebe, erfahre oft als Erster, wenn auf einem Weg etwas nicht stimmt. Ob ein umgestürzter Baum, eine ausgespülte Passage oder andere Schäden – die Hinweise kommen oft ganz unkompliziert von Bekannten, Einheimischen oder Wanderern. Schutzhütten brauchen Unterstützung Nicht nur die Wanderwege brauchen Pflege. Auch die Schutzhütten des Alpenvereins werden laufend betreut und instand gehalten. Eine davon ist die Frassenhütte oberhalb von Nenzing. Von Mitte Mai bis Anfang Oktober ist sie ein wichtiger Anlaufpunkt für Bergsportler - als Schutzraum bei plötzlichen Wetterumschwüngen, als Ausgangspunkt für Gipfeltouren oder einfach als gemütliches Ziel einer Wanderung. Der Betrieb einer Schutzhütte ist jedoch längst kein Selbstläufer mehr. Hinter dem gemütlichen Einkehrschwung auf der Sonnenterrasse steckt ein hoher organisatorischer und finanzieller Aufwand. Alle Alpenvereinshütten in Vorarlberg tragen das Umweltgütesiegel und setzen auf einen möglichst nachhaltigen Betrieb - von regionalen Lebensmitteln über die eigene Wasseraufbereitung bis hin zu Kläranlagen direkt am Berg. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Laufende Investitionen, strengere Auflagen und hohe Erhaltungskosten stellen die Betreiber vor Herausforderungen. „Wenn man eine Schutzhütte nicht mehr erhalten könnte, wäre das für Bergwanderer ein riesiger Verlust“, sagt Michael Mathis, Geschäftsführer des Alpenvereins in Vorarlberg. Ihr Wegfall würde nicht nur den Bergsport, sondern auch den Tourismus in der Region treffen. Ehrenamt als unverzichtbare Stütze Hinter den bestens gepflegten Wanderwegen und den bewirtschafteten Schutzhütten steckt ein enormes Maß an Engagement. Finanziert wird der Alpenverein durch Mitgliedsbeiträge, Förderungen, Spenden und die Einnahmen aus den Hüttenbetrieben. Doch Geld allein reicht nicht aus: Ohne die vielen Ehrenamtlichen, wäre das weit verzweigte Netz in Vorarlbergs Bergen kaum aufrechtzuerhalten. Menschen wie Guntram Salomon und Karl-Heinz Dobler sind das Rückgrat des alpinen Vereinslebens - und sorgen dafür, dass die Bergwelt für Einheimische und Gäste gleichermaßen erlebbar bleibt. Oft im Hintergrund - aber mit großer Wirkung. (LÄNDLE TV)
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