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Ein Jahr nach Amoklauf in Graz: Der lange Schatten eines Tages
KURIER

Ein Jahr nach Amoklauf in Graz: Der lange Schatten eines Tages

Anna Bella, Dorit, Hanna, Lea, Leo, Leonie, Luzia, Kaid, Pauline und Pawel. Als die Stadt nach dem 10. Juni 2025 langsam aus der Schockstarre zu erwachen begann, lernte Graz diese sechs jungen Frauen und drei jungen Männer sowie ihre Lehrerin kennen, ein bisschen wenigstens. Anna Bella , erst 15 Jahre jung, die ein Referat über Michael Jackson vorbereitet hatte. Kaid , 18 Jahre, der nach der Matura Architektur studieren wollte. Lea , 15, die vor Schularbeiten oft nervös war, obwohl sie eine sehr gute Schülerin war. Hanna , ebenfalls 15 Jahre alt, "tapfer und neugierig, energisch und hilfsbereit", wie ihr Bruder sie später vor Tausenden Menschen am Grazer Hauptplatz beschreiben würde. Dorit Wiener , die engagierte AHS-Lehrerin, die sich über viele Jahre schützend vor ihre Schülerinnen und Schüler gestellt hatte – auch am 10. Juni. In ihrem Namen vergaben Stadt Graz und Uni Graz heuer ein Gedenkstipendium . 7 Minuten änderten alles An diesem 10. Juni starben Anna Bella, Dorit, Hanna, Lea, Leo, Leonie, Luzia, Kaid, Pauline und Pawel. Sie wurden in ihrer Schule ermordet, von einem Amokläufer, der mit zwei Waffen und Hunderten Schuss Munition in das BORG Dreierschützengasse eindrang und wahllos auf Menschen schoss. Sieben Minuten lang. Der Täter beging in einem WC im dritten Stock des Gebäudes Suizid. Er hatte diese AHS Jahre zuvor selbst besucht, aber abgebrochen und verfiel Ego-Shooter-Videospielen. Die Waffen besaß er legal; nach dem schlimmsten Amoklauf der österreichischen Nachkriegsgeschichte wurde das Waffengesetz verschärft und auch die Informationsdurchlässigkeit von Behörden gelockert: Der Täter wurde von der Stellungskommission des Bundesheeres aufgrund des psychologischen Tests als untauglich eingestuft. Keine Mitwisser, keine Komplizen Doch zivile Behörden hatten keinen Zugriff auf diese Daten, so kam er legal an eine Waffenbesitzkarte. Mittlerweile wurde derartiger Datenaustausch zwischen den staatlichen Einrichtungen ermöglicht. Fest steht nach monatelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch, dass es keine Mitwisser oder Komplizen gab. Am Grazer BORG wurde bereits zwei Wochen nach dem Amoklauf der Schulbetrieb wieder aufgenommen , allerdings an einem Ersatzstandort in der Nähe. Zurück in die Schule Das Gebäude wird umgebaut, nachdem sich die Schulgemeinschaft entschied, in der Dreierschützengasse bleiben zu wollen. Diese Arbeiten sollen in den kommenden Monaten abgeschlossen werden. Am Montag wollen Bildungsdirektion, Elternverein und Schülervertreter auch darüber informieren. Anders als direkt nach der Tat 2025 wird es um den Jahrestag aber keine Erinnerung im öffentlichen Raum geben. "Damit sich Wunden schließen können" Am 9. Juni ist eine Gedenkveranstaltung der Stadt Graz vorgesehen, am 10. Juni eine der Landesregierung, beide Veranstaltungen sollen ohne Medien, ohne Kameras stattfinden: "Damit soll den Betroffenen jene Ruhe gewährt werden, die es auch ein Jahr danach noch braucht, damit sich vorhandene Wunden schließen können", heißt es.

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