KURIER
Bevor er sich erfolgreich in der österreichischen Kabarettszene etablierte, begann sein Weg zwischen Romanen und Regalen mit einer Buchhändlerlehre. „Ich habe viel gelesen, seit ich’s kann“, sagt Thomas Maurer . Die Hoffnung, in der Arbeitszeit auch dazu zu kommen, erfüllte sich zwar nicht, doch immerhin habe er damals die Chance genutzt, Bücher vergünstigt zu kaufen. Und so kamen einige Laufmeter zusammen. Wer den Satiriker von der Bühne, seinen Texten oder Polit-Podcasts kennt , der weiß, hier rennt der Schmäh mit Hirn. Seit Ende der 1980er-Jahre hat er sich einen Namen gemacht – mit mehr als 20 Solo-Programmen, den „ Staatskünstlern “, Formaten wie „Die 4 da“, sowie in Kooperation mit Josef Hader, Florian Scheuba oder Leo Lukas. In seinem aktuellen Solo-Programm „Im falschen Film“ betrachtet er eine Gegenwart voller Krisen, Schurken und grindiger Digitaleffekte wie einen Kinofilm mit misslungenem Drehbuch. Zumindest fad sei der Film nicht, heißt es. Die Lust auf halb vergessen Bücher Fad ist auch Thomas Maurers Bibliothek nicht. „Ich finde es ganz schön, hin und wieder irgendwo im Regal auf ein halb vergessenes Buch zu stoßen, das mir einmal viel bedeutet oder mich beschäftigt hat. Und dann noch mal reinzuschauen. Manchmal wundert man sich darüber, wofür man sich einmal begeistern konnte, manchmal springt der Funke wieder über, interessant ist das fast immer.“ Kurt Vonnegut Jr. etwa, dessen Bücher er als junger Mann fast alle verschlungen hat, ist ihm auch beim Wiederlesen nach Jahren hochsympathisch. Da Maurer von seiner Lehre die Freude daran, Leseempfehlungen zu geben, bis heute geblieben ist, empfiehlt er gleich für Vonnegut-Einsteiger „Schlachthof 5“ . Donald, Dagobert und der Sprachwitz Besonders im Regal sind auch die Disney-Bücher von Carl Barks , deren Buchrücken die Gesichter von Donald und Dagobert bilden. „Dass manche der damals noch anonymisierten Donald-Storys besser gezeichnet und liebevoller erdacht waren als andere, ist mir schon als Kind aufgefallen“, sagt Maurer. Ebenso wichtig wie der Zeichner Barks sei die Übersetzerin Erika Fuchs gewesen, deren Sprachwitz die Geschichten zu etwas Eigenem gemacht habe. Einiges übrig hat Maurer auch für „abseitiges und nutzloses Wissen“. Dabei verweist er auf das sechsbändige „Lexikon der christlichen Ikonographie“ . „Ich nehme es zugegeben selten, dann aber gern zur Hand.“ In der Sommerpause hat er sicher Zeit dafür. Bis dahin ist er etwa „Im falschen Film“ am 12. 6. im Stadtsaal Wien und am 17. & 18. 6. im Kabarett Niedermair zu sehen.
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