KURIER
Nach der Ermordung der elfjährigen Lyhanna in Frankreich will Justizminister Gérald Darmanin eigenen Angaben zufolge die Generalstaatsanwaltschaft auffordern, bis zum 14. Juli "alle Anzeigen, die Kinder betreffen," und damit etwa 70.000 Fälle erneut zu prüfen. "Ich werde nicht in den Urlaub fahren" und "kein einziger hoher Richter wird in den Urlaub fahren", solange er nicht "jeden einzelnen Staatsanwalt" empfangen habe, um Bilanz zu ziehen, so der Minister dem Sender LCI TV. Zu einem Schweigemarsch versammelten sich unterdessen rund 6.000 Menschen in der kleinen Gemeinde Fleurance im Südwesten Frankreichs, wo das ermordete Mädchen gelebt hatte. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen weiße T-Shirts und hielten ein Banner mit der Aufschrift "Nie wieder! Wir lieben dich, wir vermissen dich". Die Eltern und der Bruder des Mädchens waren unter den Teilnehmern. Auf Wunsch der Angehörigen nahmen lokale Vertreter an dem Trauermarsch teil, jedoch keine Politiker von nationaler Ebene. Identität am Freitag bestätigt dDer Verdächtige, in dessen Auto das Mädchen zuletzt gesehen wurde, war in der Vergangenheit mehrfach wegen Vergewaltigung Minderjähriger angezeigt worden, ohne dass dies juristische Folgen gehabt hatte. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft und verweigert die Aussage. In Regierungskreisen gab es Kritik am Vorgehen der Staatsanwaltschaft in Auch, wo bereits vor Monaten eine Vergewaltigungsanzeige gegen den Verdächtigen eingegangen war. Die seit Jahresbeginn geltende Vorschrift, Fälle mit minderjährigen Opfern vorrangig zu behandeln, sei nicht befolgt worden, hieß es. Justizminister Darmanin sprach von "erheblichen und inakzeptablen Störungen" bei der Bearbeitung der Strafanzeigen gegen den Verdächtigen. Die Versäumnisse der Justiz in dem Fall hatten landesweit Empörung ausgelöst. Präsident Emmanuel Macron räumte Missstände im französischen Justizsystem ein.
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