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Teddy Podgorski: Was sein Nachlass über den Ex-ORF-General verrät | Collector
Teddy Podgorski: Was sein Nachlass über den Ex-ORF-General verrät
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Teddy Podgorski: Was sein Nachlass über den Ex-ORF-General verrät

Es ist eine der populärsten Anekdoten aus der Medienbranche: Der damalige Fernsehdirektor Gerhard Freund fragte den Jungreporter Teddy Podgorski im Jahr 1955, ob ihm ein Titel für eine neu zu schaffende Nachrichtensendung einfiele. Da sagte Podgorski: "Es is zwar net b’sonders g’scheit, aber wie wär’s mit Zeit im Bild?“ Direktor Freund war nicht begeistert, akzeptierte den Titel aber als eine Art Übergangslösung. Die mittlerweile gut 70 Jahre andauert. Doch die vergnügliche Schnurre findet ausgerechnet im Nachlass von Teddy Podgorski den Beweis, dass sie nicht stimmt. Denn der Titel Zeit im Bild ist viel älter . Originale von Erich Sokol Genau drei Tage vor der Wahl des neuen ORF-"Generals“ beginnt im Dorotheum die Online-Versteigerung der Hinterlassenschaft des vor zwei Jahren verstorbenen Reporters, Moderators, Schauspielers, Intendanten, Sportchefs, Boxers und Generalintendanten Teddy Podgorski. Zur Auktion gelangen 82 Stück , darunter Möbel aus seiner Wohnung, seine Aktentasche, Bilder namhafter Künstler und zwei Karikaturen von Erich Sokol . Aber zurück zur Zeit im Bild. In Podgorskis Nachlass befindet sich auch ein gerahmtes Werbeplakat aus dem Jahr 1950 für die in der damaligen DDR erscheinende Zeitschrift Zeit im Bild. Nicht genug damit,hat der Wiener Jurist Franz Luger vor Jahren im Stadtmuseum Bremen das Original einer bereits 1902 erschienenen Illustrierten gleichen Namens entdeckt. Doch auch wenn die Wortschöpfung Zeit im Bild nicht von Podgorski stammt, zählt er zu den wesentlichen österreichischen Fernsehmachern, erfand er doch Sendungen wie Panorama, Bundesland heute, Seinerzeit, Universum, Jolly Joker, Seitenblicke u. v. a. Die gestohlene Kamera Für sein umfangreiches Werk bekam er zahlreiche Auszeichnungen, die ebenfalls ins Dorotheum kommen. Während er für die von ihm tatsächlich erfundenen Seitenblicke 2012 die KURIER-Romy erhielt, war ihm bereits 1970 für die Sendung Panorama eine Goldene Kamera verliehen worden. Beide Preise kommen zur Versteigerung, die Goldene Kamera allerdings als Nachbildung, da das Original aus seinem Haus im Burgenland gestohlen wurde, worauf man ihm später eine Replik überreichte. Beginn als Radiosprecher Thaddäus Podgorski, wie er eigentlich hieß, wurde 1935 in Wien als Sohn eines aus Polen stammenden Automobilwerkmeisters geboren und begann mit 18 Jahren als Sprecher im US-Radiosender Rot-Weiß-Rot. 1955 war er beim neu gegründeten Österreichischen Fernsehen der erste und einzige Zeit-im-Bild-Redakteur – wer immer den Titel auch kreiert haben mochte. Legendär sind seine Wortgefechte mit Gerd Bacher . Als ich Podgorski aus Anlass seines 80. Geburtstages im Juli 2015 zum KURIER-Interview bat, zeigte er sich dem kurz davor verstorbenen Bacher gegenüber versöhnlich: "Wir hatten ein gutes persönliches Verhältnis“, sagte Podgorski, "doch bei meiner Leidenschaft für Widerspruch ergaben sich immer wieder Konflikte. Von dem Tag an, an dem Bacher im ORF den Krawattenzwang erließ, hab ich keine Krawatte mehr getragen. Und als man dann keinen Bart mehr tragen durfte, hab ich mir einen Bart wachsen lassen. Weil ich gegen solche Sachen allergisch bin.“ Podgorski löst Bacher ab Als Podgorski Bacher 1986 als ORF-"General“ ablöste, lud er den langjährigen Gegenspieler gemeinsam mit Gina Lollobrigida und Karl Schranz in seine Sendung Seinerzeit ein, "und wir haben alle miteinander Volare gesungen“. Das war die Versöhnung. Allerdings nur vorübergehend, denn 1990 kehrte Bacher auf den von beiden heiß begehrten ORF-Chefsessel zurück. Eine der vielen Pointen im Leben Teddy Podgorskis ist die, dass er bis zuletzt ausgerechnet am Bacherplatz in Wien-Margareten wohnte. Keine pompösen Möbel In diese Wohnung begab sich Dorotheum-Experte Ulrich Prinz, um die "auktionswürdigen Gegenstände auszusuchen“, wie er sagt. "Sie sollen zu den Menschen gelangen, die Podgorskis Ambiente zu schätzen wissen.“ Der Experte ist sich im Klaren darüber, "dass es hier nicht um hochpreisige Antiquitäten, sondern um großbürgerliche, nicht pompöse Gegenstände geht, weshalb die Rufpreise auch moderat angesetzt sind.“ Podgorski prägte den ORF 35 Jahre lang, drei Mal ist er in dieser Zeit hinausgeflogen: einmal wegen einer Reportage über den Schwechater Flughafen, einmal als er Herbert von Karajan in einer Sendung als Afrikaner bezeichnete, weil er sich aus steuerlichen Gründen in Tanger ansiedelte und 1959, als er einen kritischen Bericht über Persien gestaltete, der dazu führte, dass der Schah seinen lange geplanten Staatsbesuch in Österreich absagte. Lieber am Theater Zum Fernsehen sei der ewige Widerspruchsgeist nur gegangen, "weil ich als junger Mann Geld verdienen musste, meine wahre Leidenschaft gehört jedoch dem Theater“. Ihr konnte er ab 1990, bei seinem endgültigen Ausscheiden aus dem ORF, voll nachgehen. Als Schauspieler und Regisseur bei Festspielen, in Filmen und im Theater in der Josefstadt. Teddy Podgorski starb am 16. März 2024 im Alter von 88 Jahren, seine Frau Margit zehn Monate nach ihm. Aus einer früheren Ehe hinterließ er drei Söhne.

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