KURIER
Von Susanne Zobl Aufführungen von Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ haftet stets etwas Ereignishaftes an. In der vorletzten Spielserie an der Wiener Staatsoper in Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung (eine Reprise folgt noch im Juni) war dies jedoch auf die Stimmen fokussiert. Camilla Nylund, betörte bereits als Walküre, faszinierte mit ihrem Gruß an die Sonne nach ihrer Erweckung in „Siegfried“ und ließ eine Steigerung nicht für möglich halten. Doch die gab es. In der „Götterdämmerung“ übertraf sich diese Sängerin am Samstag tatsächlich selbst. Lyrisch forderte sie ihren Siegfried zu „neuen Taten“ auf, jeden Vokal artikulierte so präzise, dass man von ihr jedes Wort verstand. Atemberaubend gestaltete sie den Schlussmonolog. Ihr Sopran leuchtete wie blank poliertes Platin beim Schwur „Helle Wehr, heilige Waffe“. So kraftvoll, wie diese Brünnhilde und dieser Siegfried in Gestalt von Andreas Schager diesen intonierten, verliehen sie ihm eine zusätzliche Bedeutung. Zerdehnt Die Wehr würde man über weite Passagen auf das Dirigat ummünzen. Pablo Heras-Casado machte es den Sängern alles andere als leicht. So zerdehnt hört man die Nornen-Szene selten. Monika Bohinec, Margaret Plummer und die indisponierte Regine Hangler tun dennoch ihr Bestes. Seinen Hang zum Zelebrieren übertrug der Dirigent nicht nur auf die „Rheinfahrt“, was vor allem im ersten Aufzug auf Kosten der Spannung ging. Alternierend setzte er auf rohe Gewalt und etwas, das wie eine Analyse anmutete, die Musik am Boden hielt und das Finale zerklüftete. Vokales Kraftwerk Das alles konnte dem vokalen Kraftwerk Schager als Siegfried nichts anhaben. Innig gestaltete er seinen letzten Gruß an Brünnhilde. Schwerstarbeit leistete Günther Groissböck als Hagen, wenn er sich gegen das orchestrale Bremsen aus dem Graben stemmen musste. Das personifizierte Dämonische ließ Georg Nigl als Alberich erleben, der mit seinem Bariton einen packenden Sprechgesang formte. Szilvia Vörös nahm als konsequent klar intonierende Waltraute ein. Jenni Hietala, die Regina Hangler kurzfristig als Gutrune ersetzte, ließ mit ihrem hellen Sopran aufhorchen. Besonders hervorzuheben sind die Herren im Chor. Attila Mokus verblasst als Gunther. Ilia Staple, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland betören als Rheintöchter und werden wie alle bejubelt. KURIER-Wertung: ***1/2 von *****
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