KURIER
Die zunehmende Zahl an Hitzetagen stellt Beschäftigte vor wachsende Gesundheitsrisiken. Eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) zeigt, dass bei der Bewertung von Hitzebelastung am Arbeitsplatz mehr als nur die Temperatur berücksichtigt werden muss. Die AK fordert deshalb gesetzlich verankerte Belastungsgrenzen , zusätzliche Kontrollen und verbindliche Schutzmaßnahmen auch für Innenräume. Allein in Wien wurde im Jahr 2025 an sechs Tagen die 36-Grad-Marke überschritten. Laut AK steigt ab 30 Grad Celsius das Unfallrisiko um sieben Prozent. Für Arbeiten im Freien, etwa auf Baustellen, gilt seit 1.1.2026 die Hitzeschutzverordnung . Sie soll vor Gefahren durch Hitze und UV-Strahlung schützen. Rund 400.000 Menschen arbeiten in Österreich im Freien. Aber auch in Innenbereichen kann Hitze die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. Ab 27 Grad Celsius sinkt etwa die kognitive Leistungsfähigkeit. „Die neue Hitzeschutzverordnung ist ein wichtiger Erfolg, für den wir uns lange eingesetzt haben. Aber wir dürfen hier nicht stehen bleiben“, sagte Ines Stilling , Bereichsleiterin Soziales der AK Wien, bei einer Pressekonferenz am Montag. Maßnahmen vor "hitzefrei" Die AK fordert unter anderem ein gesetzlich geregeltes „Hitzefrei“, je nach körperlicher Belastung sowie bezahlte Abkühlungspausen. Dies sei allerdings das „allerletzte Mittel“, betonte Stilling. Derzeit gibt es in Österreich keinen Anspruch auf hitzefrei , auch bei hohen sommerlichen Temperaturen darf der Arbeitsplatz nicht eigenständig verlassen werden. Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, ab einer „gefühlten Temperatur“ von 30 Grad Celsius Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit zu ergreifen. Eine Sonderregelung besteht auf Baustellen: Hier darf ab Temperaturen von mehr als 32,5 Grad Celsius die Arbeit im Freien eingestellt werden, wenn kein kühlerer Ersatzarbeitsplatz zur Verfügung steht. Die gefühlte Temperatur meint nicht nur den tatsächlichen Wert am Thermometer, sondern hängt noch von anderen Faktoren ab. Sie ist etwa in manchen Wetterapps ersichtlich. Studienautor Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien betonte, dass die reguläre Temperatur allein wenig über die tatsächliche Belastung aussagt. „Ob Hitze zur Gesundheitsgefahr wird, hängt maßgeblich von Luftfeuchtigkeit, Strahlungswärme bzw. Sonneneinstrahlung und vor allem von der konkreten Arbeitsschwere ab. Neben einer verringerten Produktivität, Unfällen und akuten Erkrankungen kann Hitzestress auch zu Langzeitschäden führen“, sagte Hutter. Dazu zählen etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden und Fruchtbarkeitsprobleme. Arbeitsmedizinisches Modell Die Studie liefere eine Grundlage für Betriebe, um das Risiko von Hitze am Arbeitsplatz zu bewerten. Mithilfe des sogenannten PHS-Index (Predicted Heat Strain, dt.: vorhergesagte Wärmebelastung) werden neben Temperatur auch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Kleidung und körperliche Belastung berücksichtigt. Es handelt sich um ein arbeitsmedizinisches Modell, mit dem berechnet wird, wie stark Hitze den menschlichen Körper belastet, und wie lange eine Person unter bestimmten Bedingungen sicher arbeiten kann. Auf Basis von mehr als 17.000 Berechnungen lasse sich laut Hutter ermitteln, wie lange unter bestimmten Bedingungen sicher gearbeitet werden kann und wann Pausen erforderlich sind. Besonders drastisch fallen die Ergebnisse bei schwerer körperlicher Arbeit im Freien aus. Bei extremer Hitzebelastung mit einer gefühlten Temperatur von über 40 Grad kann die sichere Arbeitszeit laut Studie auf lediglich 15 bis 20 Minuten am Stück sinken, bevor längere Erholungspausen notwendig werden. Für die AK sind die Ergebnisse ein Argument für strengere gesetzliche Vorgaben. Betriebe müssten verpflichtet werden, aktuelle arbeitsmedizinische Erkenntnisse umzusetzen und Beschäftigte wirksam vor den Folgen zunehmender Hitze zu schützen. Die neue Hitzeschutzverordnung müsse in praktische Maßnahmenpläne übersetzt werden. Es brauche technische Maßnahmen, etwa das Bereitstellen kühler Räumlichkeiten, aber auch organisatorische, etwa das zeitliche Verschieben von Arbeitszeiten, um Hitze zu vermeiden, sowie persönliche, dass etwa ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung steht. „Vieles klingt einfach, in der Praxis braucht es aber genaue Überlegungen, wie dies umgesetzt wird“, betonte Hutter.
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