KURIER
Jacques Offenbach setzte E.T.A. Hoffmann, dem Meister der schwarzen Romantik, dessen Geburtstag sich im Jänner zum 250. Mal jährte, ein musikalisches Monument. Seine Opernvertonung von Jules Barbiers und Michel Carrés Stück „Hoffmanns Erzählungen“ lässt das Bangen vor dem Unheimlichen, das E.T.A. Hoffmanns Geschichten zugrunde liegt, zur überwältigenden Musik werden. Doch davon ist in dieser Produktion an der Volksoper kaum etwas zu spüren. Direktorin Lotte de Beer deutet die Geschichte des Dichters Hoffmann zu einer feministischen Analyse über männlichen Narzissmus um. Das hat bereits Marie Clément 2024 bei den Salzburger Festspielen versucht und ist daran gescheitert. Ähnlich geht Lotte de Beer vor. Erklärt Eine Muse maßregelt einen Schriftsteller wegen seines Frauenbilds. Dafür hat Dramaturg Peter te Nuyl neue Sprechtexte gefertigt. Die Szenen werden immer wieder unterbrochen, die Ausführungen der Muse wirken wie schulmeisterliche Erklärungen für Teenager, wie ein Mann Frauen zu sehen hat. Das nimmt den Hoffmann’schen fantastischen Erzählungen jeden Zauber. Dabei beginnt es szenisch ganz klassisch. Hoffmann wartet in Luthers Schenke auf Stella, eine Opernsängerin, die er aktuell verehrt. Bis sie kommt, unterhält er die Gäste mit seinen Geschichten. Wie bei Clément in Salzburg wirft ihm die Muse seinen „phantasmagorischen Realismus“ vor. Ihre Fragen, etwa warum in jeder Erzählung ein Teufel vorkommen müsse, erden das Geschehen. Christof Hetzer hat auf der Drehbühne ein Einheitsbühnenbild geschaffen. Ein tapezierter Raum, der sich nur durch das spärliche Inventar unterscheidet. Olympia wird als überdimensionale Puppe und als Kinderspielzeug dargestellt. Antonia muss bei ihrem Auftritt wie bei einem Vorsingen an die Rampe und verschwindet am Ende in einem Bilderrahmen. Giulietta muss in einer unvorteilhaft enggeschnürten Korsage (Kostüme Jorine van Beek) agieren. Also, von wegen Feminismus! Das größte Problem ist das Musikalische. Dirigent Emmanuel Villaume drischt auf die Partitur ein und fordert das Ensemble aufs Äußerste. So brutal hört man die „Barcarole“ selten. Ringen Attilio Glaser wirft sich beherzt in die Partie des Hoffmann. Seine Klein-Zack-Erzählung lässt er tapfer in seine Schwärmerei übergehen. Sein mattes Timbre und sein Ringen um hohe Töne stehen ihm aber im Weg. Wallis Giunta wirkt in der Gestalt der Muse wie eine verirrte Musicalsängerin, der es an vokalen Farben mangelt. Anna Simińska intoniert ihre Koloraturen beiläufig. Vokale Lichtstrahlen entsendet Axelle Fanyo als Antonia. Dass sie ihre Rolle so dramatisch anlegt, ist dem Dirigat zuzuschreiben. Hedwig Ritter könnte als Giulietta mit ihren Spitzentönen jeden Spiegel zum Bersten bringen. Josef Wagner ertrotzt den Bösewichten mit seiner sonoren Stimme mehr als die Regie zulässt. Stefan Cerny, Aaron-Casey Gould, Annely Peebo, Robert Bartneck und Michael Arivony lassen in den kleineren Rollen aufhorchen. Das Premierenpublikum hatte keinen Einwand, bis auf ein paar leise Buhrufe für den Dirigenten.
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