KURIER
Es ist fast auf den Tag genau 13 Monate her, dass sich der – damals neue – ärztliche Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Burgenland zu einer Sperre für Warteliste-Fälle im Landesnorden genötigt sah. Der Grund: der „akute Mangel“ an spezialisierten Fachkräften, in erster Linie fehlten Fachärzte. Der ärztliche Leiter hat mittlerweile das Handtuch geworfen und das Burgenland verlassen. Schon davor war die Landeskoordinatorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Brigitte Hackenberg , wegen der „unhaltbaren Versorgungssituation im Burgenland“ aus Protest zurückgetreten. Das Burgenland verfüge über „kein kinder- und jugendpsychiatrisches Gesamtkonzept – keine Tagesklinik, keine subakut-stationären Strukturen, keine ausreichende ambulante Versorgung“, formulierte Hackenberg vor einem Monat in einem offenen Brief an Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ). Die Lage ist also ernst oder, wie es Andreas Kollar am Montag in Eisenstadt formulierte, „äußerst anspruchsvoll“. „Wunschbesetzung“ Der klinische Psychologe, Autor und Gründer der Kompetenzfokus GmbH zur Veranstaltung von Fort- und Weiterbildungen, soll die Lage – ob ernst oder anspruchsvoll – meistern. Der gebürtige Südburgenländer Kollar hat bei den Sozialen Diensten Burgenland (SDB) die Fachbereichsleitung für den Psychosozialen Dienst und die Kinder- und Jugendpsychiatrie übernommen, sagte Soziallandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ), der Kollar als „Wunschbesetzung“ titulierte. Das Burgenland verfüge zwar „über ein breites und qualitativ hochwertiges psychosoziales und soziales Unterstützungsnetz“, so Schneemann, etwa drei Ambulatorien für unter 18-Jährige in Oberwart, Eisenstadt und Neusiedl am See . Aber weil auch die Nachfrage „enorm groß“ sei, reiche das Verwalten des Status quo nicht aus. „Wir brauchen jetzt eine noch stärkere fachliche Bündelung und Steuerung, die der neue Fachbereichsleiter übernimmt“, lautet der Auftrag der Politik an Kollar. Kinder, Jugendliche und Erwachsene „zusammendenken“ Schneemann wünscht sich auch, dass psychosoziale Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene „konsequent zusammengedacht“ und „Doppelgleisigkeiten vermieden“ werden. Ob das Land so über den Mangel an Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie hinwegturnen will, blieb offen. Das Burgenland ist das einzige Bundesland ohne Kassenvertrag für niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater. Federführend mitarbeiten soll Kollar auch am Psychiatriekonzept , das derzeit vom Grazer Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit ( EPIG ) im Auftrag des Landes erstellt und im kommenden Winter präsentiert werden soll. EPIG arbeitet öfter fürs Land, auch der Standort fürs Krankenhaus in Gols wurde von den Experten empfohlen. Das Konzept soll auch Aufschluss über den genauen Bedarf an Kinder- und Jugendpsychiatern geben – derzeit sind es fünf. Die Leitung wurde bisher nicht nachbesetzt. Das Gehalt sei nicht ausschlaggebend, ist Kollar überzeugt. Wichtiger sei ein attraktives Arbeitsumfeld mit bewältigbaren Aufgaben, auch dazu wolle er einen Beitrag leisten. Der KURIER hat die ehemalige Landeskoordinatorin Hackenberg gefragt, was sie vom Ansatz des Landes hält. Sie kenne Kollar nicht, aber „wenn er systemisch denkt, könnte er der Richtige sein“. Entscheidend sei, dass endlich gelinge, woran sie selbst „elf Jahre lang gescheitert“ sei – die politisch Zuständigen für Gesundheit, Bildung und Soziales an einen Tisch zu bekommen. „Nicht zuständig“ Vier Mal habe sie in ihrer Zeit im Burgenland Treffen zustande gebracht, nur ein einziges Mal sei mit Landesrat Schneemann ein Entscheidungsträger dabeigewesen. Auf Hackenbergs Frage, warum Gesundheitsthemen ausgespart blieben, habe der Landesrat gesagt, weil er „dafür nicht zuständig ist“.
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