KURIER
In Österreich wird gerne über Haustiere geplaudert – viel lieber, als hierzulande über Geld geredet wird. Das gilt selbst in der Tierarztpraxis. „Für uns gestaltet es sich oft schwierig, neben den Behandlungsmöglichkeiten offen über die Kosten zu sprechen“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, wo es in der Kommunikation hakt und warum es vor allem bei Kleintieren, Vögeln und Reptilien zu Missverständnissen kommt. „Die Veterinärmedizin ist in Österreich auf Top-Niveau . Viele Therapien, die bei Menschen möglich sind, funktionieren auch bei Hund und Katze“, sagt Reitl. Behandlung von Kleintieren kann schwierig für Halter sein Bei kleineren Patienten gibt es mehr Grenzen . Einerseits kann es am Handling liegen: So lässt sich etwa ein kranker Kanarienvogel schwer aus dem Schwarm fangen; flinke, bissige Streifenhörnchen wiederum wollen für die Medikation nicht festgehalten werden. Andererseits fehlen mitunter erprobte Arzneien oder geeignete OP-Instrumente für die winzigen Organismen. „Halter von Kleintieren, Vögeln und Reptilien wissen oft nicht, welche Diagnose- und Therapie-Optionen überhaupt zur Verfügung stehen“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn . Oft fehlt Wissen, dass Meerschweinchen, Sittich und Co behandelt werden können Manche Besitzer kommen mit der Erwartung in die Praxis, dass ihr Schützling nicht zu retten sei. Andere wollen nicht hören, dass der Patient mit entsprechendem Aufwand durchaus gesund werden kann. Dabei ist heute vieles möglich : Das Blut von Bartagame bis Sittich kann analysiert werden, bei Papageien hilft oft eine CT zur Diagnostik, und bei Meerschweinchen können diverse chirurgische Eingriffe, darunter OPs von Blasenstein oder Milztumor, durchgeführt werden. Kleintiere haben heute einen anderen Stellenwert als früher Manch Halter würde dafür sein sprichwörtlich letztes Hemd geben. „Kleintiere, Reptilien und Vögel haben heute einen viel höheren Stellenwert als früher“, sagt der Zoodoc. Während sie früher oft Haustiere für Kinder waren, zählen sie heute durchaus wie Hund und Katze zur Familie. „Es ist eine Gratwanderung . Einerseits sollen nicht zu viele Hoffnungen geweckt werden, andererseits sollten Halter wissen, was medizinisch möglich ist“, sagt Reitl. Beratungszeit, Befundung, Behandlung und Kontrollen müssen verrechnet werden. Sie können die Anschaffungskosten des Haustieres schnell übersteigen. Gespräche über Behandlungskosten müssen offen geführt werden „Es ist schwierig herauszufinden, welche finanziellen Mittel ein Halter für seinen Patienten aufwenden will bzw. kann“, sagt Reitl. Während einige bereitwillig über Kosten sprechen, empfinden andere den Hinweis auf eine hohe Rechnung als Kränkung – als würde ihre Zahlungsfähigkeit und ihre Tierliebe infrage gestellt. Der KURIER-Tiercoach appelliert daher: „Nur wer sich bereits vor der Anschaffung eines Haustieres gut über Bedürfnisse, potenzielle Gesundheitsprobleme und mögliche Kosten informiert, weiß, was auf ihn zukommen kann.“ Für die Praxis wünsche sich Reitl vor allem offene Gespräche - insbesondere über Geld.
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