KURIER
Es ist ein neues Kapitel in einer unrühmlichen Saga des österreichischen Kunstmarkts. Denn als Gustav Klimt s unvollendetes Gemälde "Bildnis Fräulein Lieser" 2024 unter großer internationaler Anteilnahme im Wiener Auktionshaus "im Kinsky" versteigert wurde, war nicht klar, aus wessen Besitz das Bild genau stammte - und wessen Ansprüche in einem vorsorglich geschlossenen Vergleich eigentlich abgegolten werden müssten. Wegen dieser Unklarheit wurde der Verkauf schließlich rückabgewickelt. Nun ist am Höchstgericht des US-Bundesstaats New York eine Klage eingegangen , die auf eine Herausgabe des Gemäldes und auf mögliche Schadenersatzforderungen abzielt. Beklagte in dem Prozess, über den zuerst die New York Times und der Standard berichteten, sind das Auktionshaus im Kinsky und die Einbringerin des Gemäldes, die als eine gewisse Eva Ropper identifiziert wird. Als Klägerin tritt eine im US-Bundesstaat South Carolina wohnhafte Patricia Leahy auf, laut Anklageschrift die Urenkelin des Industriellen Adolf Lieser . Dieser soll das Porträt seiner Tochter Margarethe bei Klimt in Auftrag gegeben haben. Diese Version der Geschichte wird allerdings nicht universell geteilt: Eine andere Hypothese zufolge könnte auch Henriette "Lilly", Lieser-Landau , Frau von Adolf Liesers Bruder Justus, die Dargestellte sein. Das Auktionshaus im Kinsky war vor der Auktion stets mit der Aussage aufgetreten, dass mit einem vor der Auktion geschlossenen Vergleich alle Ansprüche von möglichen Erbinnen und Erben abgedeckt seien. Dieser Darstellung widerspricht die Klagschrift: Leahy sei in das Abkommen nicht inkludiert gewesen. Statt desssen habe das Auktionshaus kurz vor der Versteigerung Druck auf sie ausgeübt und sie gedrängt, nicht mit der Presse zu sprechen, weil dies den Wert des Gemäldes geschmälert hätte. Die Klagsschrift insinuiert auch, dass der erzielte Preis - der Hammer fiel nach einem Gebot bei 30 Millionen Euro, inklusive Prämien betrug der Preis 35 Millionen - weit unter dem Marktwert gelegen sei. Als Käuferin trat "im Kinsky" die Honkonger Kunstberaterin Patti Wong auf. Sie bemühte sich laut Klagsschrift nach der Versteigerung um Rechtssicherheit: Alle potenziell Anspruchsberechtigten sollten Erklärungen unterzeichnen, die Käufer schad- und klaglos zu halten. Patricia Leahy tat dies nicht, weswegen der Kauf rückgängig gemacht wurde. Ob Leahy nun als "rechtmäßige Erbin" anerkannt wird, wie die Klagsschrift dies verlangt, ist freilich unklar. Laut dem Bericht des Standard habe Leahy nur einen Pflichtteilsanspruch auf das Erbe ihres Vaters. Denkbar ist auch, dass Vertreter anderer Zweige der Lieser-Familie noch Ansprüche geltend machen. Dass die Sache in New York verhandelt wird, ist laut Klagsschrift darin begründet, dass das Gemälde vom Auktionshaus auch in New York angeboten wurde und dass "im Kinsky" mit dem New Yorker Kunstmarkt engagiert sei (wörtlich: "relies on the New York Art Market"). Tatsächlich war die Auktion 2024 ein eher unüblicher Auftritt des Wiener Hauses auf dem internationalen Parkett gewesen.
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