KURIER
Regungslos blickte Khaled al-Halabi geradeaus, während das Opfer sein Martyrium schildert. Der Zeuge berichtete von Schlägen mit Elektrokabeln auf die Fußsohlen, von Ohrfeigen, von der Drohung, seine Familie zu holen. „Ich habe bis heute Angst“, sagte der Zeuge. Der Angeklagte vermeidet jeden Blickkontakt. Später erklärte der General vor Gericht, dass diesen Mann „zum ersten Mal in seinem Leben“ im Verhandlungssaal gesehen hat. Am Montagvormittag wurde am Landesgericht Wien der Prozess gegen zwei ehemalige Vertreter des syrischen Assad-Regimes fortgesetzt. Sie müssen sich wegen Folter und weiterer schwerer Straftaten an Zivilisten verantworten. Im Zentrum der Anklage steht Khaled Al-Halabi, ehemaliger Leiter der Abteilung 335 des Allgemeinen Geheimdienstes. Neben ihm auf der Anklagebank Moussab Abou Rokbh: der frühere Leiter der Ermittlungsabteilung der Kriminalpolizei in syrischen Rakka. Der Zeuge schilderte laut APA seine Festnahme im Jahr 2011 in Syrien. Grund: oppositionelle Aktivitäten. Mit verbundenen Augen sei er in das Gebäude des gefürchteten Geheimdienstes gebracht worden. Sein Verhör fasste er später mit den Worten zusammen: „Es war ein Empfang.“ Der General habe ihn persönlich in seinem Büro verhört. Der Angeklagte habe zunächst die Akte des Mannes gelesen und ihm vorgeworfen, sich über den syrischen Staat lustig zu machen. Ob ihm der Staat denn nicht gefalle, soll er gefragt haben. Schläge mit Kabel Dann die Aufforderung: Hose ausziehen. Mit einem Elektrokabel seien ihm Schläge auf die Fußsohlen versetzt worden – eine Folterpraxis. Dazu heftige Ohrfeigen. Dann wurde ihm gedroht, Ehefrau und Geschwister herzubringen. Ein Privatgutachten diagnostizierte dem Mann später eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine Depression. Im Zuge des Verhörs habe Al-Halabi auf ein Folterinstrument namens „Fliegender Teppich“ gezeigt. Sollte er kein Geständnis ablegen, werde dieses an ihm angewendet. Der Richter zeigte ein Foto des Geräts: ein klappbares Holzbrett, auf dem Opfer fixiert und nach vorne sowie hinten gebeugt werden, um schwere Wirbelsäulenverletzungen zu verursachen. Ein Überlebender dieser Foltertechnik sagte der Fachzeitschrift BMC Psychiatry: „Ich hörte, wie mein Rücken knackte.“ Massive Schläge Der zweite Zeuge sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme 2012 sei er erst 18 Jahre alt gewesen. Laut Anklageschrift hatte sich der damalige Schüler an Protesten gegen das Regime beteiligt. Während seiner Haft sollen Wächter ihn mit Schlagstöcken und Gewehrkolben geschlagen haben – auch gegen die Genitalien. Außerdem sei ihm mit Militärstiefeln ins Gesicht getreten worden. Laut Gutachten erlitt das Opfer eine posttraumatische Belastungsstörung, eine Depression und eine sexuelle Funktionsstörung.
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