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Gerhard Zeiler über ORF: "Der Fisch stinkt vom Kopf." | Collector
Gerhard Zeiler über ORF:

Gerhard Zeiler über ORF: "Der Fisch stinkt vom Kopf."

Medienmanager Gerhard Zeiler stellte sich Montagabend im Oktogon Business Club der Wirtschaftskanzlei DLA Piper und des Falstaff-Verlags im "Haus am Schottentor" den Fragen von Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam und DLA Piper Managing Partner Christoph Mager. Das Thema: Die vorgezogene ORF -Wahl und "wie wichtig ist die Medienpluralität für Österreichs Demokratie". Zeiler, heute Präsident von WarnerMedia International, stand von 1995 bis 1998 dem ORF vor. Fast zeitgleich zur öffentlichen Präsentation der Kandidatinnen und Kandidaten, die Roland Weißmann s Nachfolge antreten wollen, sagt er eingangs zum ORF gefragt: "Es ist schon traurig, wenn man sich umhört." Es handle sich um ein Versagen der Führungsebene. "Der Fisch stinkt vom Kopf." Ob Österreich einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk braucht, beantwortet er mit einem klaren Ja. "Wir brauchen den Öffentlich-Rechtlichen zu 100 Prozent. Wir brauchen eine österreichische Stimme." Was der ORF nicht brauche, das seien große Gremien. "Ich kenne kein Unternehmen mit 35 Aufsichtsräten", sagt Zeiler, der sich erneut für eine Verkleinerung des ORF- Stiftungsrates ausspricht. Eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt werde gänzlich ohne Politik nicht organisiert werden können. Fünf Dinge müsse der ORF erfüllen, um künftig relevant zu sein und zu bleiben. "Fair und unabhängig": "Die Problematik waren nie die Journalisten, sondern die Chefs", so Zeiler. Interventionen müsse standgehalten werden. Chefs müssten sagen, auch wenn sie von der Politik Druck bekämen: "Sorry, das mache ich nicht." "USP": Der ORF müsse eine Unique Selling Proposition haben, ein Alleinstellungsmerkmal, das von den Zuseherinnen und Zusehern als solches erkannt wird. "Alles für alle": Es reiche nicht mehr, Fernsehen oder Radio bereitzustellen, denn "die Jungen sehen nicht mehr fern, hören kein Radio mehr." Daher muss der ORF nach Dafürhalten des ehemaligen Generaldirektors auf allen Plattformen präsent sein. Damit gemeint sind Streaming-Dienste und Social Media. Zudem müsse der ORF "effizient und sparsam" agieren. Schließlich sei er öffentlich (Haushaltsabgabe) finanziert; die Werbeeinnahmen würden nicht mehr werden. Den Produktivitätsfaktor erfüllt laut Zeiler allerdings kaum eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt. Das Vertrauen in die britische BBC oder den SRF (Schweiz) sei ungleich höher als in den ORF - genau daran gelte es zu arbeiten. Apropos international: Das Problem des österreichischen Medienmarktes liege unter anderem am gemeinsamen Sprachraum mit dem zehn Mal größeren Medienmarkt Deutschland. Medien, nicht nur der ORF , müssten deshalb "überall dort sein, wo die Menschen sie konsumieren" - sprich ein regionales Angebot und Kooperationen schaffen. Der einzige Verleger, der selbiges geschaffen habe, ist für Zeiler Eugen Russ , der mit Russmedia auch in Ungarn und Rumänien tätig ist. "Monomedial funktioniert nicht mehr," ist sich Zeiler sicher, und: "Ohne Förderungen wird es schwierig." Das Privatfernsehen funktioniere in Österreich, werde aber auch andere - deutsche - Eigentümer bekommen. Zeiler über KI: "Wir machen uns strafbar, wenn wir nicht regulieren." "Soziale Medien sind hier, um zu bleiben" und müssten künftig rechtlich so behandelt werden wie Medien, doch das tun sie bis dato nicht. Zudem spricht sich Gerhard Zeiler für eine Digitalsteuer auf europäischer Ebene aus, um die sogenannten Tech-Giganten wie Google , Amazon , Apple , Meta u.a. steuerlich adäquat zu behandeln. Und der Medienmanager plädiert für einen differenzierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Die KI bringe unglaubliche Chancen mit sich, berge allerdings auch unglaubliche Risiken. Zeiler stört sich daran, dass den USA in der KI-Debatte stets Innovation unterstellt werde und der EU Regulierung. "Die KI befördert Fake News", sagt Zeiler. "Wir machen uns strafbar, wenn wir nicht regulieren." Die Frage sei, wie wir regulieren. Was seine eigene Zukunft betrifft, lässt Gerhard Zeiler wissen, er werde nebst den USA künftig seinen Wohnsitz in Salzburg und Wien haben. Gemeinsam mit seinem "guten Freund" Andreas Treichl ( Vorsitzender des Aufsichtsrats der ERSTE Stiftung) arbeite er an einem Projekt, das bald vorgestellt werde.

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