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Von Fersensporn bis Kalkschulter: Wie Stoßwellen helfen können | Collector
Von Fersensporn bis Kalkschulter: Wie Stoßwellen helfen können

Von Fersensporn bis Kalkschulter: Wie Stoßwellen helfen können

Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Fersenschmerzen: Die plantare Fasziitis , eine Entzündung der Sehnenplatte (Plantarfaszie) unter der Fußsohle. Beim Versuch des Körpers, den gereizten Sehnenstrang zu reparieren, kann sich zusätzlich eine dornenförmige Verknöcherung bilden, ein Fersensporn . Anhaltende oder ungewohnte Belastungen sind oft der Auslöser. „Diese Sehnenerkrankung ist eines der Anwendungsgebiete der fokussierten extrakorporalen Stoßwellentherapie (fEWST), bei denen die Wirksamkeit durch Studiendaten sehr gut belegt ist“, sagt Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna , Leiter der Uni-Klinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin, MedUni Wien . „Die Stoßwellen sind neben der Trainingstherapie der am besten untersuchte physikalische Reiz.“ Das gelte neben der Plantarfasziitis etwa auch für andere Erkrankungen oder Verletzungen der Sehnen, die durch Überbeanspruchung, degenerative Veränderungen oder Entzündungen entstehen können: Darunter die „Kalkschulter“ , der „Tennisellbogen“ oder die schmerzhafte Überlastung und Degeneration von Achillessehne und auch Patellasehne („Jumper’s knee“). Wie die Stoßwellen im Körper wirken Die Wirkung der Stoßwellen beruht dabei auf mehreren Effekten: Es kommt zu einer Umwandlung mechanischer Reize in biologische Prozesse“, sagt Crevenna: „Diese führen u. a. zur Freisetzung von Wachstumsfaktoren und zur Neubildung von Blutgefäßen.“ Insgesamt hat die Stoßwellentherapie schmerzlindernde, entzündungshemmende und generell regenerative Effekte . Und generell wird das Gewebewachstum angeregt , sagt der Chirurg Prof. Dr. Karsten Knobloch , Generalsekretär der Deutschsprachigen internationalen Gesellschaft für Extrakorporale Stoßwellentherapie (DIGEST) , der in Hannover und Perchtoldsdorf, NÖ, Ordinationen für Konservative Sportorthopädie betreibt. „ Stammzellen werden aktiviert , die in die betroffene Region wandern und sich dort zu gewebstypischen Zellen weiterentwickeln, ausdifferenzieren. Eine Neubildung gesunden Gewebes ist die Folge.“ „Auch die Antwort des Immunsystems auf das Entzündungsgeschehen verändert sich“, sagt Knobloch: „Entzündungsfördernde Immunzellen werden hinunter reguliert, in ihrer Aktivität gedämpft, antientzündliche Zellen hingegen hinauf reguliert. Auf diese Weise können Entzündungsreaktionen zum Beispiel an Sehnen deutlich abklingen.“ Ein zweiter großer Bereich der Standardanwendungen mit guter Datenlage sind schlecht oder gar nicht heilende Knochenbrüche , „ganz generell Störungen der Knochenheilung“, sagt Knobloch. Hier war die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt AUVA mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Traumatologie und dem Stoßwellenpionier Prof. Dr. Wolfgang Schaden bereits um die Jahrtausendwende Vorreiter. Der Unfallchirurg war maßgeblich an der erstmaligen Anwendung der Stoßwelle bei Wundheilungsstörungen 2003 am Wiener UKH Meidling beteiligt. Stoßwellen: Auch Hermann Maier profitierte Einer der bekanntesten Patienten, der bisher diese Therapie erhielt, war Hermann Maier : Nach seinem Motorradunfall im Jahr 2001 wurde er mit Stoßwellen behandelt – erst danach verheilte der Bruch am rechten Unterschenkel. „Mit der Stoßwellentherapie haben wir die Bruchheilung endlich in Gang gebracht “, sagte Maier 2003 in einem Spiegel -Interview. Neuere Daten zeigen auch positive Effekte beim Karpaltunnelsyndrom und manchen Formen der Polyneuropathie , besonders jener, die durch Diabetes ausgelöst wird. Knobloch: „Jährlich werden rund 800 wissenschaftliche Arbeiten zur Stoßwellentherapie publiziert , dadurch erweitert sich auch die Liste der anerkannten Indikationen.“ Derzeit noch experimentell ist die Stoßwellentherapie nach einem Herzinfarkt . Studien an der MedUni Innsbruck zeigten , dass sie zu einer Neubildung von Blutgefäßen führt, welche den minderdurchbluteten Herzmuskel stärken. Hier ist aber noch weitere Forschung notwendig. Studien gibt es auch zu Parkinson und Alzheimer. Durch die Freisetzung von Wachstumsfaktoren hofft man, die Regeneration von Nervenzellen zu fördern, erläutert Knobloch. Wovon der Behandlungserfolg der Stoßwellentherapie abhängt Zurück zu den Routineanwendungen: Manche Patienten berichten von nur kurzer oder gar keiner Wirksamkeit der Stoßwellentherapie. „Sie ist keine universell wirksame Methode“, sagt Crevenna. „Der Therapieerfolg hängt entscheidend von der richtigen Indikationsstellung , dem Stadium der Erkrankung, der exakten Anwendungstechnik und der Einbettung in ein Gesamtkonzept ab.“ Zudem treten die biologischen Effekte oft erst zeitverzögert ein – der maximale Nutzen zeigt sich häufig erst nach mehreren, zumeist etwa 12 Wochen.“ Die Stoßwellentherapie sei kein Allheilmittel und auch kein Ersatz für Bewegung oder andere Verfahren, sondern immer Teil eines umfassenden – „multimodalen“ – Behandlungskonzepts. „In vielen Fällen ermöglicht sie aber durch die Schmerzreduktion erst die aktive Teilnahme an Bewegungstherapie und Rehabilitation.“ Die Fachgesellschaft DIGEST bietet einwöchige Kurse für Ärztinnen und Ärzte an, „bei denen das gesamte Spektrum der orthopädischen Stoßwellentherapie“ behandelt hat. Knobloch: „Damit ist eine fachgerechte Anwendung bei den richtigen Indikationen garantiert– dann ist auch die Erfolgsrate mit 70 bis 80 Prozent sehr hoch.“

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