KURIER
Eine WM ist nicht einfach ein Fußballturnier. Sie ist ein Ausnahmezustand , ein kollektives Innehalten, ein globales Ritual. Für ein paar Wochen verschieben sich Prioritäten. Weihnachten und Ostern in einem Wer den Fußball liebt, wird diese Tage (und Nächte) nicht als bloße Sporttermine wahrnehmen, sondern als das, was sie sind: Weihnachten und Ostern in einem. Zwar ohne Packerl und Schokohasen, dafür mit Dribblings, Paraden und Toren, die sich ins Gedächtnis brennen. Lagerfeuer-Romantik Während sich auf dem Platz die Besten der Welt messen, lohnt sich ein Blick auf das Umfeld, in dem diese WM stattfindet. Der europäische Klubfußball hat sich in den letzten Jahren zunehmend in Richtung eines Luxusprodukts entwickelt. Wer in Österreich alles sehen will, braucht aktuell zwei und ab 2027 sogar drei Pay-TV-Abonnements . Der Fußball entwickelt sich zu einem Gut, das man sich leisten können muss. Die Weltmeisterschaft wirkt in diesem Kontext wie ein Gegenmodell – ein letztes großes Lagerfeuer, an dem alle Platz nehmen und sich erwärmen dürfen, unabhängig vom Geldbörserl. Besondere Kraft Der Fußball gehört uns allen. Und genau deshalb entfaltet eine WM ihre besondere Kraft: Sie bringt Menschen zusammen, die sonst nie gemeinsam ein Spiel verfolgen würden. Nachbarn, Familien, Freunde und Fremde – plötzlich sitzen sie nebeneinander und diskutieren. Mehr miteinander reden schadet übrigens auch abseits des runden Leders nicht. Auch sportlich hat sich rund um dieses Turnier etwas getan, das dem Spiel selbst guttut. Die FIFA geht zwar nicht in allen Fragen mit positivem Beispiel voran, hat aber in sportlichen Belangen Maßnahmen gesetzt. Zeitschinden ist schlicht unsportlich und wird endlich mit neuen Regeln unterbunden. Wenn Spiele durch Schauspielerei verzögert werden, verliert der Sport das, was ihn einzigartig macht. Helden & Favoritenstürze Mehr Nettospielzeit führt direkt zu mehr Spaß am Spiel. Und genau darum geht es am Ende dieser Wochen: um das Genießen. Um das bewusste Eintauchen in ein Gefühl der Freude. Um Überraschungen, um Favoritenstürze, um Helden, die aus dem Nichts auftauchen. Eine WM ist nie planbar, nie kontrollierbar, nie ganz erklärbar. Breiter ÖFB-Kader Aber es muss eben nicht alles perfekt sein, um großartig zu sein. Es muss nur Fußball sein. Und wenn dieser Fußball dann noch im besten österreichischen Sinne von einem Team begleitet wird, das Träumen lässt, dann ist das ein Geschenk. Selten zuvor ist das Gefühl so präsent gewesen, dass Österreich mit einem Team antritt, das etwas erreichen kann, weil es in der Breite seines Kaders der stärkste in der Geschichte ist. Entwicklung statt Übermut Diese Erwartungshaltung ist kein Übermut, sondern Ausdruck einer Entwicklung . Eine Generation, die in Top-Ligen spielt, die taktisch gereift ist und die gelernt hat, Spiele nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch mit Struktur zu dominieren. Angeführt von zwei Gesichtern, die diese Generation geprägt haben, nach der WM aber vielleicht nie wieder zu sehen sein werden im Nationalteam. Ein letztes Mal noch das Leadership von David Alaba und den Schmäh von Marko Arnautovic . Dieses Team ist übrigens auch Vorbild. Es lebt vor, dass man ruhig ein bisserl mehr an sich glauben darf. Auch Ralf Rangnick versucht in seiner angriffslustigen Art den Österreichern seit vier Jahren das Raunzen abzugewöhnen. Lassen wir uns anstecken. Von Team und Teamchef.
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