KURIER
Lodernde Flammen aus parkenden Autos , aus Linienbussen , aus Häuserzeilen . Nur sieben Tage nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Southampton standen in der Nacht auf Mittwoch Teile Nordirlands in Flammen . Bewohner waren gezwungen, aus ihren Häusern fliehen. Die Stromversorgung musste unterbrochen und der öffentliche Verkehr teilweise gestoppt werden. Die Unruhen sind die Folge eines – wie Premier Keir Starmer es ausgedrückte – „ widerwärtigen“ Gewaltakts. Montag, gegen 22.30 Uhr Ortszeit, wurde die Polizei in die Kinnaird Avenue in Nord-Belfast gerufen. Ein Mann war mit einem Messer auf eine andere Person losgegangen. Videoaufnahmen auf Social Media zeigten einen Mann, der auf einem anderen kniete, mit dem Messer wiederholt ausholte und ihn in Gesicht und Hals zu verletzen schien. Passanten , davon eine Person mit Hurling-Schläger, kamen dem Verletzten zu Hilfe und konnten den Angreifer in Schach halten, bis die Polizei eintraf. Der Verletzte , ein Mann in seinen Vierzigern, wurde mit Stichverletzungen ins Spital eingeliefert. Sein linkes Auge konnte nicht gerettet werden. Aufgeheiztes Gefüge Der mutmaßliche Täter , ein 30-jähriger Mann , wurde wegen Mordverdacht festgenommen, ein Küchenmesser als mögliche Tatwaffe sichergestellt. Laut Polizei handelte es sich bei dem Angreifer um einen Sudanesen . Er habe im Februar 2023 in der Republik Irland um Asyl angesucht und eine Aufenthaltsgenehmigung bis 2028 erhalten. Der Vorfall ist ein Funkenschlag in einem aufgeheizten Gefüge : Erst vergangene Woche waren rechte Aktivisten in Southampton auf die Straße gegangen, um gegen die „Zweiklassen-Polizei“ zu revoltieren, die aus ihrer Sicht weiße Personen benachteilige. Einmal mehr nutzten Akteure eine brutale Einzeltat, um Stimmung gegen Einwanderer zu machen. Musk als Anstifter Schon kurz nach Bekanntwerden der Tat zirkulierte auf Social Media die Aufforderung: „Tragt dunkle Kleidung“, gefolgt von: „Geht auf die Straße“. Die Proteststandorte wurden auf X von Aufwiegler Tommy Robinson verteilt und von Tech-Milliardär Elon Musk weiter verbreitet, zusammen mit den Worten: „Nur wenn wir WIEDERHOLT und LAUT protestieren, wird sich etwas ändern!!“ In den darauffolgenden Stunden wurde an 62 Orten in Nordirland Feuer gelegt, Autos zerstört, Wohnungen niedergebrannt – vorwiegend jene von Personen mit Migrationshintergrund. Am Mittwoch war die Politik um Beruhigung bemüht. Allzu sehr erinnert die Situation an 2024: Nachdem Axel Rudakubana in Southport drei Mädchen während eines Tanzworkshops ermordet hatte, kam es damals im ganzen Land zu Ausschreitungen. „Die Menschen sind zu Recht über den brutalen Angriff schockiert“, sagte die Nordirland-Ministerin Hilary Benn auf X. „Aber die Ausschreitungen gefährden unschuldige Menschenleben. Es gibt absolut keine Rechtfertigung für diese Art von Rowdytum .“ Die Lage bleibt jedenfalls angespannt . Die Polizei stellte sich auf eine weitere unruhige Nacht ein.
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